Hans-Fallada-Preis – Zu Ehren von Hans Fallada stiftete die Stadt Neumünster 1981 diesen Preis, lese ich gerade.

Komisch eigentlich, daß Städte, welche Leute zu Lebzeiten nicht einmal von der Seite angeschaut hätten sondern eher ins Gefängniß geworfen hätten (bzw. im Falle Falladas / Neumünster: hatten), immer wenn diese Leute dann tot sind, Preise nach solchen Leuten vergeben oder Denkmäler erstellen und ihnen andere Ehrungen zuteil werden lassen. Und diese Menschen dann dazu noch zu etwas hochstilisieren, was sie nie waren. So eine Art Heiligsprechung tätigen, der toten Person nachträglich Unantastbarkeit geben.

Hans Fallada-Preis: Posthum vom eigensüchtigen Mensch zum großen Helden hochstilisiert...
Hans Fallada-Preis: Posthum vom eigensüchtigen Mensch zum großen Helden hochstilisiert…

Es fragt sich beim Lesen der Biographie Falladas, ob er wirklich der heldenhafte, mutige und tolle Autor ist bzw. war, daß man ihn unbedingt Vorbild nennen sollte und Preise in seinem Namen vergeben sollte. Egal, wie man dazu steht:
Zumindest aber ist Fallada sicher alles andere als eine heldenhafte Widerstandsfigur gewesen, zu der er posthum immer mehr hochstilisiert wurde und wird.

Eher scheint die Biographie Falladas, welche mit dem erschossenen Jugendfreund anfängt und mit dem Schuß auf die Ehefrau endet, tragisch und eigensüchtig.

Das heißt nicht, daß die Bücher und Werke, die er verfaßt hatte, nicht gut zu lesen sind. Aber stoßend ist diese Über-Beweihräucherung und posthume Hochstilisierung von Personen.

Es ist gleich wie der große Schwachsinn von Kunstexperten bzw. Leuten, die sich für solche halten.

Remo Maßat