
Aktuell die Überschrift im Blick: „Der tiefe Fall von Pierin VincenzVom sympathischen Bergler zum schamlosen Rotlicht-Banker“.
Daß einer der bekanntesten Saubermänner der Schweiz, einer der höchsten bzw. ehemals höchsten Köpfe der Schweizer Wirtschaft so tief fiel, lag anders als gegenwärtig in vielen Schlagzeilen den Eindruck machend nicht daran, daß er gerne im Rotlicht verkehrte.
Sondern der Chef der drittgrößten Bankengruppe der Schweiz mit rund 4 Millionen Kunden (in einem Land mit rund 8 Millionen Einwohnern) stolperte über Gier und Geiz.
Denn niemanden hätte es interessiert, wenn Vincenz – für den nun 6 Jahre Haft seitens der Staatsanwaltschaft gefordert werden – mit privatem Geld im Rotlicht unterwegs gewesen wäre.
Es hätte noch nicht einmal jemand erfahren wie jetzt der Fall wo alles fein säuberlich in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ersichtlich ist (erstaunlicherweise berichtet aber nur IP, offenbar haben die Journalisten von Blick, Tagi, Tagblatt oder Handelszeitung etc. keine Recherchekräfte, die diese Anklageschrift einsehen. Oder sie haben keine Lust gegen Konzerne wie Raiffeisen bzw. deren Ex-Chefs zu schreiben)
Das Portal das Vincenz vor Jahren mundtot machen wollte, berichtet genüßlich aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft:

„War Vincenz in der Romandie, dann gings ins Le Velvet (7’000), ins Crazy Paradise (6’000) und ins Pussy Cat (2’500) in Genf sowie ins Brummell (1’700) in Lausanne.“ Und weiter: „Im Tessin … / … bevorzugte der „Zampano“ das Cecildance in Paradiso (11’000 Fr.) sowie das Il Nibbio (8’400) und das La Piccionaia (900), beide in Lugano.“
Wobei das bloß Auszüge sind und die Liste noch länger ist.
Die ganzen Striplokal- und anderen Rotlicht-Besuche, die Pierin Vincenz während Jahren über die Firmenkreditkarten abrechnete als angebliche Betriebsausgaben wurde ihm zum Fallstrick.
Man kann kaum verstehen warum ein Mann, der mehrere Millionen pro Jahr einnimmt solche „Ausgaben“ so versucht auf die Firma abzuwälzen bzw. es nicht bloß versuchte, sondern es tat.
Die sich selbst als sauberste große Bank der Schweiz zuvor sehende und gerierende Raiffeisen sah sich plötzlich im Bereich des Sexgeschäfts. Und alles nur aufgrund dessen, daß ihr Chef nicht nur das Rotlicht mochte, sondern auch noch zu geizig war, seine Vorliebe dafür selbst zu bezahlen.
Geiz ist eben nicht immer geil.
Auch eine verwüstete Hotelsuite kommt in die Schlagzeilen. Sie wurde ebenfalls von den Raiffeisen-Genossenschaftern bezahlt und als Geschäftskosten abgerechnet.
Eine Hotel-Suite, die offenbar zerstört wurde, als der damalige Starbänker eine Dame aus einer Beziehung, die aus den Rotlichtkontakten sich ergeben haben soll empfangen sollte, aber sich bereits mit einer anderen Dame vergnügte, so der Blick.
3.778 Franken kostete die Reparatur der Suite im Hyatt-Hotel gemäß IP.
Und es kam zu eigenartigen Zahlungen an eine Dame, die in der Folge monatlich flossen und aus Liechtenstein kamen. Vincenz Anwälte bzw. gleich zwei Anwaltskanzleien verhinderten hier eine Anzeige wegen Körperverletzung, berichtet das Portal IP.
Verleitete Gier zu all den anderen „Geschäften“?
Hinzu kommt wohl auch eine Portion gehöriger Gier.
Denn auch zahlreiche krumme Geschäfte werden nun schrittweise aufgedeckt. Es gilt für all das die Unschuldsvermutung solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt.
Doch die Liste ist hier so lang, daß das wohl wenig vorstellbar erscheint:
https://insideparadeplatz.ch/?s=Vincenz
Versagende Finanzmarktaufsicht Finma
Alles in allem auch ein Armutszeugnis für die Eidg. Finanzmarktaufsicht Finma, die sogar zuließ, daß Vincenz Frau die Person war, die in der Führungsetage der Bank für das Controlling zuständig war.
Frau Vincenz kontrollierte also Herrn Vincenz.
Und kam zuvor offenbar auch nur durch ihn auf den hohen Posten. Auch das allerdings war von der Finma genehmigt worden.
Das heißt, die Finanzmarktaufsicht schaute nicht auch dann noch mit beiden Augen weg als Kontrollörin (und dies selbst dann noch, als Journalisten wie Lukas Hässig schon längst eine Enthüllung nach der anderen hervorbrachten).
Sondern die Finanzmarktaufsicht, die als Kontrollörin versagte ließ zuvor sogar zu, daß die Ehefrau des Leiters der drittgrößten Bank Kontrollörin ihres eigenen Mannes werden konnte.
Was ja schon im Privatleben – wie man heute weiß – nicht funktioniert hatte.