Blogautor Philippe Wampfler schreibt oftmals interessante Sachen. Aber auch viele ideologisch gefärbte Sachen, die nicht umsetzbar sind. Oft fordert er das Abschaffen von Noten in Schulen und andere „Lernformate“ und aktuell zum Beispiel, daß man Gruppenleistungen bewerten sollte, nicht Einzelleistungen.

„Die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten und sich dabei kooperativ zu verhalten“ habe „in klassischen Prüfungen keinen Wert.“

Philippe Wampfler schreibt weiter: „Weil die Prüfungsmodalität und die dahinterstehenden Grundannahmen auf isolierte Einzelarbeit ausgerichtet sind, in der Zusammenarbeit weder vorgesehen noch gewichtet wird.“

Dazu ist festzustellen:
Nein, es liegt daran, daß sich in Gruppen erbrachte Leistungen eben leider nicht richtig bewerten lassen.

Denn wenn zum Beispiel ein Schüler in einer Gruppe ist der super in Mathe ist und zwei andere sind Nieten in Mathe und der eine Schüler löst alle Aufgaben, dann läßt sich das nicht bewerten. Ganz einfach.

Komischerweise sind im Beitrag von auch die beiden von Ihnen selbst angeführten Beispiele keine Gruppenaufgaben sondern beides Aufgabenstellungen die sich an Einzelschüler richten und für die es keine Gruppenkompetenz braucht. (Entweder ist einer in der Lage, sie zu lösen oder nicht. Faßt man hier eine Gruppe zusammen, die das lösen soll und einer weiß die Antwort und zwei nicht, wie wollen Sie das bewerten bitte?

Warum sich Gruppenleisten außerdem schlecht prüfen lassen: Der Intelligentere ist unterlegen

Außerdem ist es oft sogar so, daß der intelligentere Schüler sich nicht durchsetzen kann. Er wird von den anderen „überstimmt“ in der Gruppe und erhält dann auch eine schlechte Note.

Jeder, der schon einmal auf einem Schulhof (als Schüler war es wohl jeder) hat das erlebt. Der mit dem größten Maul setzt sich durch, die Intelligenteren nicht.

Man kennt das Phänomen nicht nur am Pausenplatz von Schulhöfen, sondern auch an jedem Stammtisch, jeder Diskothek usw. usf.: Nicht die intelligentesten sagen den Ton an sondern die aggressivsten und die mit der größten Klappe.

Wo könnte man Gruppenkompetenzen prüfen?

Für die meisten Aufgaben braucht es keine Gruppe. Wenn Wampfler Gruppenkompetenzen prüfen wollte, dann müßte er sich die Frage stellen, wo es Sinn machen kann, Gruppenleistungen zu prüfen. Und Aufgaben finden, die nur erfolgreich in einer Gruppe gelöst werden können. Weil es zB nötig ist, daß jeder einen Part übernimmt und dem anderen hilft.

Würden Lehrlinge bzw. Schüler einer Berufsschule für Gipser geprüft, dann könnte man zum Beispiel prüfen, wie die Kompetenz einer „Gruppe“ ist, also von zweien. Beispielsweise beim Anbringen von Gipsplatten an einer Decke.

Der eine muß die Platten halten, während der andere sie anschraubt. Der dritte müßte sie derweil aufmessen und zuschneiden.

Wenn einer nicht mitzieht, werden alle langsamer.

Außerdem müßte die Gruppe so vorgehen, daß wenn mit dem Anschrauben länger gebraucht wird, daß dann der Zuschneider schon die Bohrlöcher vorbohrt. Oder umgekehrt, wenn „Anschrauber“ und „Platten-hoch-Halter“ schon schneller fertig sind, daß sie dann diese Aufgabe übernehmen.

So wird gemeinsame Effizienz und Sozialkompetenz trainiert und das wäre auch prüfbar wenn einer z. B. Däumchen dreht während er die Zeit nutzen könnte um den anderen zu helfen usw. usf. Aber auch hier wäre es dann teilweise eine Einzelbewertung, die nötig ist. Denn wenn einer Däumchen dreht und die anderen Sozialkompetenz haben und gut kooperieren kann man sie nicht für die schlechte Gruppenleistung bestrafen.

Es bleibt also dabei, daß Gruppenleistungen sich eigentlich nicht benoten lassen, sondern nur teilweise mit einfließen können in die Benotung (des Einzelnen).

(Bildschrimfotoausriß Beitragsbild: Edu-Talk.de)