Buch des Psychologen Ernst Äppli, „Der Traum und seine Deutung“ (1943)
Zum Thema Traum schreibt der Psychologe Äppli Sachen, die zum Nachdenken anregen oder zumindest interessant erscheinen:
Die Träume stellen ihre Bilder immer übertrieben dar, um als Schutzimpuls für die Menschen zu wirken.
„Durch den Traum erhalten wir v.a. ein richtiges Bild unserer Beziehungen zur Umwelt. Die Seele läßt sich nichts vormachen.“
Und die Psyche „ist, anders als das Bewußtsein, ohne Vorurteil. Der Traum nimmt kein Blatt vor den Mund.“

Schlaf ist dabei (meist) ein Zustand ohne aktives Ich, ein „entbewußteter Schlaf“. Der „Traum ist psychisches Leben im Schlafzustand“. Manche Menschen meinen, Schlaf sei unnötig, andere schlafen noch im Wachzustand.
Traumforscher Pfaff meint, der Körper schläft, die Seele nie: „Nur der Körper bedarf des Schlafes, nicht die Seele.
Träume – persönlichste Erfahrung, die ein Mensch machen kann?
Träume – so Äppli – sind die persönlichste Erfahrung, welche der Mensch machen kann. Träume kommen scheinbar ohne Zutun zustande. Der Traum fragt nicht, ob er kommen darf. Träume zeigen z.T. absolut unlogische Handlungen.
Träume – die Hand der Seele
Jeder Traum wird von einer „inneren Instanz“, dem Selbst, geleitet.
Das Unbewußte entscheidet dabei immer selbst ganz präzis, was im Traum betont werden soll, was nötig ist zu berichten und was nicht, was im Leben der träumenden Person reguliert werden soll, was im realen Leben vernachlässigt wurde etc.
Es gibt keinen strengeren Herrn / Herrin als die Seele. Die Seele verlangt, daß wir tun, was ihr guttut.
„Der Traum lebt in der großen ethischen Haltung einer Verantwortlichkeit gegenüber Umwelt und Innenwelt.“
Verfehlungen gegen das „Richtige“ oder gegen das „Rechte“ im seelischen Leben haben im Traum häufig das Traumbild des „inneren Gerichts“ zur Folge.
Träume, um sich selbst kennenzulernen?
Äppli schreib dazu: Wer sich auf die Grundfunktionen im Leben (Arbeit, Sex, Essen) beschränkt, wird sich nicht um seine Träume kümmern. So entstehen dann unglückliche Menschen, weil sie sich selbst gar nicht kennen.
Träume selber deuten?
Äppli äußert weiter: Mit Grundkenntnissen kann der „Traumlaie“ seine Träume allgemein selber deuten, aber warnt zugleich: Die Traumlaien laufen Gefahr, Träume zu wörtlich zu nehmen. Träume „bringen Dinge vor, mit denen man sich zur Zeit wirklich nicht beschäftigt. Psychologische Kenntnisse sind zur Traumdeutung wichtig.“
Psychologe Alfred Adler zum Thema Traum:
Ein Traum „eine Botschaft an sich selbst“ über Probleme und ungelöste Konflikte.
Alfred Adler sieht Träume allerdings nicht als Möglichkeit zur Selbsterkenntnis, sonder als Hemmschuhe: Der Traum aus dem Unterbewußtsein macht gemäß Adler Vorschläge bzw. schlägt Verhaltensweisen vor, wie man die Leistung verweigern kann, um den Leistungsansprüchen der Gesellschaft auszuweichen.
Bei Adler geschieht der Traum, damit der Träumer mit seiner ängstlichen Traumerzählung einen Gefahren- oder Krankenschein vorzuweisen hat, der ihn der geforderten Leistung enthebt, kritisiert Ernst Äppli und: Adler behauptet auch, Warnträume seien Anweisungen zur Leistungsverweigerung. Er behauptet, das Bewußtsein würde dann den Traum kopieren, um Leistung zu verweigern:
„Das Bewußtsein kann sich (gemäß Adler) auf die Aussage des Traumes stützen und sich darauf berufen, es habe ja der Traum selbst gesagt, man möchte sich besser nicht ausgeben, ja nichts aufs Spiel setzen.“
Carl Gustav Jung zum Thema Träume:
C. G. Jung verstand den Traum als unmittelbar deutlich werdende Darstellung der inneren Wirklichkeit des Träumenden. Daher bedürfe es keiner Assoziationen, um den Traum verstehen zu können.

Eine Untersuchung nach den Methoden von Sigmund Freud eigne sich daher kaum zur Ergründung des Unbewußten.
Bekannt ist das deutsche Sprichwort „Ein Volk hat ein Gedächtnis wie ein Elephant“ (gegenwärtig besonders häufig benutzt im Hinblick auf die zahlreichen Währungsreformen mit einhergehenden Geldentwertungen…) C. G. Jung prägte auch den Begriff des kollektiven Unbewußten, ein Bereich, aus dem Menschen Kultur-unabhängig gleiche Grundassoziationen gewännen.
„Man kann leicht verstehen, warum Menschen dazu neigen, die Botschaft ihrer Träume zu ignorieren oder sogar abzulehnen. Das Bewußtsein widerstrebt von Natur aus allem Unbewußten und Unbekannten.“
Ann Faraday
Gemäß Ann Faraday gibt ein Traum Hinweise, welchem dem Mensch entgangen sind.
„In jedem Fall erzählt uns der Traum, wie wir uns selbst in irgendeiner laufenden Lebenssituation sehen, ohne daß es uns bewußt geworden war.“
Faraday sagt: Jeder kann sich selbst mit dem Erkennen der Traumwelt erkennen und selbst Maßnahmen treffen, ohne Guru und ohne Therapeut. Die „Selbstenthüllung“ durch Traumdeutung eröffnet alle Möglichkeiten von allein.