…zumindest in Barcelona. Für die Touristen der zweitgrößten Stadt Spaniens gilt ab sofort das Verbot der „Nacktheit an öffentlichen Plätzen“. Wobei in diesem Fall freie Oberkörper bei Männern und Bikinis bei Frauen als nackt gelten. Wer sich in Bikini oder Badehose außerhalb des Strandes durch die Stadt bewegt, wird nun härter bestraft als derjenige, der eine rote Ampel überfährt.

Das Überfahren einer roten Ampel wird derzeit mit 255 CHF geahndet, jemand der jedoch in einem Bikini oder lediglich in Badehosen durch die Stadt läuft, muß mit einer Strafe in Höhe von 380 CHF rechnen. Wer es dann noch wagen sollte außerhalb des dafür vorgesehenen Strandbereiches ein Nacktbad zu nehmen, der hat eine Buße in Höhe von 640 CHF zu zahlen.
Was ist nur los mit den Spaniern? Werden die Machos prüde? Denn gemäß den Befürwortern des neuen Gesetzes geht es hier nicht nur um Freizügigkeit, sondern auch um Hygiene. Denn wer von uns möchte schon auf dem Stuhl im Café oder dem Sitz im Bus Platz nehmen, auf welchem ein „nackte“ oder verschwitzte Person vorher saß.
Hoteliers, Geschäftsbesitzer und politische Parteien begrüßen diese neue Regelung. Sie hatten sich schon lange durch die Freizügigkeit auf den Straßen gestört. Nun stellt sich noch die Frage der Umsetzung der neuen Regelung. Hier wird es interessant. Wo genau beginnt der Unterschied zwischen einem Top und einem Bikini-Oberteil?
Laut Umfragen, die im Internet veröffentlicht wurden, gaben 93 % der Befragten an, daß Bikinis und Badehosen an den Strand und nicht auf die Flaniermeile gehören. 31% sind der Meinung, daß ein Bikini auch zum Einkaufen oder in der Bar getragen werden kann und lediglich 18 % finden es in Ordnung, wenn Männer mit freiem Oberkörper ein Restaurant oder eine Bar besuchen.
Berechtigterweise stellt sich die Frage, wer von den Befragten denn Spanien besucht hatte, denn eine solche Regelung müßte wohl nicht eingeführt werden, wenn die Urlauber über angemessenes Benehmen bereits Bescheid wüssten.
Andererseits stellt sich dennoch die Frage, an welcher Stelle das Interesse der Allgemeinheit beginnt die Persönlichkeit des Einzelnen zu beschränken. Darf ich mein neues Top nun nicht mehr tragen, weil es zuviel von Bauch und Dekolleteé zeigt? Was ist, wenn ich am Strand liege und schnell in den Supermarkt laufen möchte um Wasser zu holen? Darf der Bauarbeiter bei 40°C in der Sonne seinen Oberkörper nicht mehr entblößen?
Muß nun jeder Urlauber sich eingeschränkt fühlen, weil einige vor ihm es übertrieben haben und sich an den falschen Orten unangemessen verhalten haben? Ist der letzte Weg wirklich nur ein solches Verbot?