Ein Tulpenbild begrüßt Privatpersonen beim Einstieg in den Börsenhandel.

Die Marketing- oder Webgestaltungsagentur der Migros-Bank besitzt also Humor.

Jeder, der schonmal mit Börsenhandel zu tun hatte, weiß, daß Tulpen bzw. Tulpenzwiebeln den ersten großen „Börsenkräsch“ ausgelöst hatten in der Weltgeschichte. Und es umfangreiche Totalverluste von ganzen Firmen-, Privat- und Familienvermögen gab.

Schon 1637 explodierte die erste große Spekulationsblase der Weltgeschichte.

Carolus Clusius, Präfekt des bekannten botanischen Gartens „Hortus Botanicus“ in Leiden, führte im Jahre 1593 die ersten der farbenprächtigen Gewächse nach Holland ein.

Die Mutter aller Spekulationsblasen

Die Tulpenkrise ging als erster großer und bisher unübertroffener Börsenkräsch der Neuzeit in die Geschichte ein.

Doch wie kam es dazu?

Die seltenen Tulpen galten als luxuriös, beim Adel und Bürgertum galten Tulpen als absolutes Muß.

In kurzer Zeit gierten immer mehr Menschen nach Tulpen. Es gab es für Tulpen immer höhere Preise.
Für besonders begehrte Sorten wie „Semper Augustus“ oder eine „Octaviani del pont“ wurde das Jahreseinkommen einer Familie aufgerufen.

Tulpenmanie / Tulpenwahn nimmt Fahrt auf

Viele Leute liehen sich Geld, um mitbieten zu können. Denn die Tulpenzwiebelpreise stiegen und stiegen immer weiter.
Ob Adeliger, Kaufmann, Bauer, Knecht oder Dienstmädchen – jeder spekulierte mit Tulpenzwiebeln.
Weil aber die Tulpenzüchter mit dem Nachzüchten nicht nachkamen, traten Händler auf den Plan, die fiktive Tulpenzüchtungen der Zukunft verkauften bzw. Rechte auf noch zu importierende Tulpen, die noch gar nicht in Holland waren oder gezüchtet waren. Der erste Futureskontrakt auf Tulpen war geboren.
Händler verkauften also die bloße Aussicht auf den Erhalt einer Tulpenzwiebel.
Käufergruppen bildeten sich, sogenannte Kollegien kauften und verkauften im großen Stil das Recht auf eine Tulpenzwiebel. Ähnlich wie heute an den Rohstoffmärkten bzw. Rohstoffbörsen Rohwaren wie Getreide, Mais, Fleisch usw. verkauft und gekauft werden.
Bauern können ihre Ernte des kommenden Jahres bereits heute zu einem festlegten, in der Zukunft (Futur) zu zahlenden Preis per Futureskontrakt verkaufen. Agrarhändler können Ernten, die es noch gar nicht gibt, an den Rohstoffbörsen bereits erwerben bzw. das Recht auf diese Ernten kaufen per Futureskontrakt.
Doch zurück zu den Tulpen.

Der Zusammenbruch, das Platzen der Tulpenblase

Auf dem Höhepunkt der Tulpenblase stiegen die ersten Tulpen-Spekulanten wieder aus.

Plötzlich entstand eine massive Verkaufspanik.

Die Tulpenzwiebelpreise stürzten ins Bodenlose und die Tulpenblase platzte wie ein Ballon.

Im Jahre 1637 brach Hysterie am Tulpenmarkt aus und die Preise waren zusammengebrochen auf nahe null. Und mit dem Preiszusammenbruch brach die gesamte holländische Wirtschaft spektakulär zusammen.

Halb Holland war finanziell ruiniert, zehntausende verloren ihr gesamtes Hab und Gut, nur einige Spekulanten hatten ein Vermögen gemacht und sich bereichert.

Auch der weltbekannte holländische Maler Rembrandt (*1606 – † 1669) verlor mit der Tulpenspekulation sein gesamtes Vermögen.

Der folgende Börsenkräsch lähmte Hollands Wirtschaft jahrelang.

Löhne und Immobilienpreise brachen völlig zusammen.