Dänemark ließ marode Banken einfach pleitegehen, der Staat griff – anders als in der Schweiz oder in Deutschland – nicht mit planwirtschaftlichen Maßnahmen auf Kosten der Steuerzahler ein.
Die dänische Regierung ließ einen Zusammenbruch von „Amagerbanken“ zu, wobei die Verluste den vorrangigen Gläubigern aufgebürdet wurden.

Die Bank hatte trotz vieler Warnsignale weiterhin zu leichtfertig Kredite vor allem an Immobilieninvestoren vergeben. Und nur kurze Zeit vor der Pleite im Jahr 2011 hatte sie im November 2010 sogar noch 898 Millionen Dänische Kronen an Anlegergeldern aus Neuemsissionen bekommen.
Diese Anleger schauen nun in die Röhre. Keine Staatshilfe. Kein Kommunismus, sondern Planwirtschaft mit Eigenverantwortung.
Der Chef der dänischen Zentralbank, Nils Bernstein, nahm staubtrocken Stellung. Das dänische Bankensystem sei stabil und der Zusammenbruch der Amagerbanken habe keinen negativen Einfluß auf die übrigen Finanzkonzerne Dänemarks.
Die Bank Amagerbanken ließ man zusammenbrechen, sie kam unter staatliche Zwangsverwaltung und einzig Kleinanleger wurden mit Augenmaß geschützt und dies auch nur begrenzt hinsichtlich eines Teils ihrer Einlagen.
Dieses „Ungehorsam“ der dänischen Regierung gegenüber der globalen Finanzindustrie und deren selbsternannten Göttern führte allerdings sogleich zu rigiden Abstrafungsmaßnahmen. Welche völlig aus der Luft gegegriffen waren. Die Einstufungsagentur „Moody’s“ stufte letztes Jahr „zur Strafe“ die Bonität von sechs bedeutenden dänischen Banken herab, obwohl diese gar nicht mit der konkursiten Amagerbanken zu tun hatte.
Dabei hatten alle größeren Banken in ganz Nordeuropa ihre finanziellen Forderungen gegenüber Amagerbanken offengelegt. Die größte dänische Bank, Danske Bank hatte nicht einmal Forderungen von 10 Millionen dänischen Kronen. Und selbst die größte Bank Nordeuropas, Nordea, bekundete, daß man nur „sehr geringe“ Forderungen hätte. Das dänische Hypothekeninstitut Nykredit sprach von Forderungen von etwa 300 Millionen dänischen Kronen. (1 Dänische Krone sind zirka 16 Rappen!)
Doch trotzdem ist Dänemark nach wie vor einer von bloß 12 Staaten weltweit, welche bei den drei großen Einstufungsagenturen Moody’s, S&P und Fitch eine Spitzen-Bonitätsnote haben.
Und Moody´s schnitt sich mit der völlig aus der Luft gegriffenen und unbegründeten Abstrafungsaktion hinsichtlich der Herabstufung von sechs unbeteiligten Banken ins eigene Fleisch.
Auch hier bewiesen die Dänen also, daß sie erfrischenderweise noch eigenständig denken können.
Die NZZ berichtete dazu im April diesen Jahres (kursiv):
Die größten dänischen Banken beenden die Zusammenarbeit mit der Rating-Agentur Moody’s, nachdem einige der wichtigsten dänischen Investoren den Instituten versichert haben, daß die Meinungen von Rating-Agenturen nur begrenzten Wert haben.
Nykredit, die größte dänische Hypothekenbank und der größte Emittent von durch Hypotheken besicherten Bonds, hat am 13. April ihren Vertrag mit Moody’s gekündigt und verweist auf deren volatile Ansichten. Realkredit Danmark, die zweitgrößte Hypothekenbank des Landes und eine Tochtergesellschaft von Danske Bank, hat Moody’s schon im vergangenen Juni den Rücken gekehrt.
Auch Jyske Bank, die zweitgrößte börsennotierte Bank des Landes, prüfe ein Ende der Geschäftsbeziehung mit Moody’s, erklärte Finanzchef Steen Nygaard. Man könne der fundamentalen Argumentation der Rating-Agentur einfach nicht mehr folgen. …/…
Insgesamt 10 Banken, die nicht solide gewirtschaftet hatten, verschwanden in Dänemark in den letzten Jahren vom Markt.
Schön, zu wissen, daß es in Europa noch Länder mit marktwirtschaftlichen Prinzipien gibt, die konkursite Banken unter Zwangsverwaltung stellen anstatt Ihnen Steuergelder zukommen zu lassen. Nur, weil die Mißwirtschafter an der Speerspitze des Kapitalismus plötzlich – und fortgesetzt großmäulig und ungehemmt – nach Bruder Staat rufen.
In Dänemark sind also nicht nur Bankgründungen möglich, sondern auch Banklöschungen bzw. Bankpleiten. Etwas, was eigentlich auch in anderen Ländern normal sein sollte.
Schön, zu sehen, daß nicht überall – wie etwa in der Schweiz geschehen – die gleichen Leute, die sonst ständig keifen „Markt, Markt, Markt“ plötzlich keifen können „Staat, Staat, Staat“, wenn es Ihnen gerade ins Zeug paßt.
Weiterführende Webseiten
Dänemark-Infos: www.Daenemark24.ch
Ein Märchen aus Dänemark: https://schweizblog.ch/?p=4023
Infos zu Schweizer Banken: Bank-Schweiz.ch
[…] Das haben sogar die Dänen erkannt. In Dänemark haben alle namhaften Banken die Verträge mit der Rate-Agentur (Räiting-Agentur) Moody´s aufgekündet. […]