Im Zug lernte ich unfreiwillig einmal jemanden kennen, der sich ziemlich arrogant, eingebildet und überdies noch aggressiv benahm und zudem ungefragt auf mein „Läpptopp“ und das Internet (mein Metier) schimpfte.

Nebst der Überheblichkeit trat auch eine Selbstgerechtigkeit zutage, welche ich bis zu diesem Zeitpunkt in dieser Form noch nicht erlebt hatte.

Selbstgefälligkeit: Wolfram Frank erntet Kritik nicht nur von Klassenfeinden bzw. angeblichen "Kunstfeinden", die ihm zuwenig Geld geben würden, sondern auch aus Künstlerkreisen selbst, etwa von Bartli Valär, bürg. Coni Allemann (Foto)
Selbstgefälligkeit: Wolfram Frank erntet Kritik nicht nur von Klassenfeinden bzw. angeblichen „Kunstfeinden“, die ihm zuwenig Geld geben würden, sondern auch aus Künstlerkreisen selbst, etwa von Bartli Valär, bürg. Coni Allemann (Foto) – Auch die Leserbriefe in der Südostschweiz sprechen Bände.

Später las ich in der Südostschweiz, daß dies angeblich ein großer bündner Kulturschaffender sein soll, der einer sog. Künstlergruppe „in situ“ in Chur angehöre.

Aktuell schreibt die Südostschweiz, Wolfram Frank – so heißt der offenbar aus Deutschland stammende Künstler – ließe kein „kaum ein gutes Haar an Graubünden und Chur“ und weiter beklagt er „das Versagen der hiesigen Institutionen. Auch von den meisten Kulturschaffenden ist Frank enttäuscht.“

Die Südostschweiz schreibt weiter (kursiv):

1984 war Frank nach Graubünden gekommen. «Chur war damals eine lebendige, hoffnungsvolle Stadt», sagt er im Gespräch. Inzwischen sei das Gegenteil der Fall. «Es grassiert die Dummheit in der Gesellschaft, gerade in der sogenannten Elite.» Schuld seien Politiker, Medien und auch viele der Kulturschaffenden selber. «Das Versagen der Institutionen hat wesentlich zu diesem Nihilismus beigetragen», meint Frank. Immer wieder hat der Regisseur mit dem Gedanken gespielt, nach Berlin zu gehen. Doch das Vorhaben scheiterte an der Finanzierung. «In Berlin wäre ich Hartz-IV-Empfänger», sagt Frank. (ganzer Bericht in der Südostschweiz)

Googelt man diese Künstlergruppe „in situ“, deren Leiter („Regisseur“) Wolfram Frank ist, so stößt man auf massenhaft Gejammere über den angeblich bevorstehenden bzw. bereits vollzogenen kulturellen Untergang des Alpenkantons Graubünden und ebenso zahlreich auf abgehobene schwülstigte Ergüsse dieses vorgenannten Wolfram Frank, unter anderem aktuell sogar ein äußerst theatralisch daherkommendes „Manifest“ mit bei dessen Lektüre man sich nebenbei über Geschichte und Weltpolitik läutern lassen darf.

Bei soviel Abgehobenem und saurem Moralisieren tut ein wenig Bodenständiges gut. Und Gott-sei-dank gibt es dies auch. Denn der ach so große Künstler-Kritiker ist selbst in der Kritik. Nicht etwa vonseiten der bösen Kapitalisten, die ihm nunmehr schon seit Jahrzehnten zuwenig Geld geben, sondern von den Künstlern selbst.

Heute stieß ich etwa auf einen Beitrag vom anerkannten bündner Künstler Bartli Valär bzw. bürgerlich Coni Allemann. Dieser hat nicht nur ein aufschlußreiches Lied komponiert zum fraglichen Künstler Wolfram Frank sondern darüberhinaus auch einen Beitrag mit wertvollen und bodenständigen Ratschlägen an Frank verfaßt, welcher mir aus der Seele sprach und den ich an dieser Stelle daher widergeben möchte (kursiv). 

„Ich finde Querschläger und Motzer in der Regel notwendig in unserem angepaßten Lande. Wenn ich allerdings diese selbstgefälligen Äußerungen eines Wolfram Frank lesen muß, kommt mir die Galle hoch. Ihn interessiert doch niemand außer er selber.

Fast alle Bündner Kulturschaffenden würden sich anpassen, meint er, des Geldes wegen. Der einzige, der mir bekannt ist, der immer wieder reklamiert wegen zu wenig Geld, ist allerdings Frank selber.

Gibt es denn für diesen Möchtegern keine andere Option, nur armer Kulturschaffender in der Schweiz oder Hartz-IV-Empfänger in Deutschland? Gerne hätte ich mich und meine nicht so publikumsträchtigen kulturellen Ergüsse auch jahrelang von der öffentlichen Hand finanzieren lassen, doch dann bin ich auf etwas gestoßen, das es mir ermöglicht, weiterhin Kultur zu machen und trotzdem nicht immer betteln zu müssen: Arbeit.

Klingt extrem bünzlig, ich weiß. Gerne Gegenkultur, aber bitte nicht immer fremdfinanziert. Wolfram, lerne arbeiten und hör auf zu motzen!

Coni Allemann, Kulturschaffender, Klosters“

Das Gespräch mit Wolfram Frank in der Südostschweiz:

Wolfram Frank-Gespräch

Weiterführender Bericht zum Thema Kunstförderung bzw. Kunstfilz in der Schweiz:

Kunstfilz