Deutschland erwarb sein Gold größtenteils durch seine Handelsbilanzüberschüsse in den 50er- und 60er-Jahren. Also durch Fleiß und Sparsamkeit seiner Bürger (sowas gab es damals noch im „großen Kanton“). Zu dieser Zeit fußte das Weltwährungssystem noch auf dem Goldstandard anstatt auf dem Glauben an bedrucktes Papier.
Wie kam es, daß das Gold im Ausland, insbesondere den USA lagerte? Was in den Vereinigten Staaten, in Frankreich oder in Großbritannien an Gold erwirtschaftet wurde, blieb seitens der noch jungen Bundesrepublik Deutschland zur Abwicklung künftiger Geschäfte dort zunächst einfach liegen.

Anders als der sprichwörtliche „Deutsche Michel“ vertrauten die Franzosen nicht so gutherzig und unterwürfig und verhielten sich nicht wie Deutschland gegenüber der Ex-Besatzungsmacht USA:
So ließ Charles de Gaulle im Jahr 1966 sämtliche in den Vereinigten Staaten gelagerten Goldreserven aus den USA nach Frankreich zurückschaffen; dies war auch eine Demonstration französischer Unabhängigkeit.
Die Bundesrepublik beließ dagegen die Barren dort, wo sie waren. Ein Argument dafür war, daß Frankfurt am Main, der Sitz der damaligen Notenbank für sowjetische Panzer sehr leicht erreichbar gewesen wäre.
Der eiserne Vorhang ist inzwischen jedoch gefallen. Und so zieht dieses Argument über 20 Jahre nach Ende vom „Kalten Krieg“ nicht mehr so recht.
Ist das Gold in den USA noch vorhanden?
Seit vielen Jahren, so stellte sich dieses Jahr heraus, hat niemand, auch kein Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank, die Goldreserven bzw. Goldbarren mehr gesehen geschweige denn nachgezählt.
Deutsche Bundesbank bilanziert die DE-Goldreserven plötzlich anders…
Die inzwischen konkursite nach linksaußen orientierte „Frankfurter Rundschau“ schrieb dazu am 24. Oktober dieses Jahres:
Womöglich ist ein Teil heimlich verkauft worden? Oder es sind minderwertige Legierungen dabei? Vielleicht hat die Bundesbank einen Teil auch verliehen, das wäre keine ganz unübliche Praxis. Tatsache ist jedenfalls, daß sie in ihren Bilanzen die Barren nicht getrennt ausweist, sondern sie mit Goldforderungen – also Wertpapieren – zu einem einzigen Posten zusammenfaßt. Das schürt Mißtrauen.

Nach Kritik des Bundesrechnungshofes sah sich die Deutsche Bundesbank dann gezwungen, die Goldlagerstätten des angeblichen Dolgbestandes bekanntzugeben, so die (inzwischen ebenfalls konkursite bzw. eingestellte) FTD.
Der Großteil lagert angeblich in den USA. Von den 3.396 Tonnen „Buchgold“ sollen einige Tonnen zurückgeholt werden. Allerdings nur ein winziger Teil. In den nächsten drei Jahren sollen 150 Tonnen davon nach Deutschland geholt werden. Dies soll die Bürger beruhigen.
Forderungen, den gesamten Goldbestand doch – wie Frankreich auch – endlich als souveränes Land in heimischen Tresoren zu lagern, erteilte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele mit einer abenteuerlich tönenden „Begründung“ eine Absage:
„Auch in Zukunft wollen wir Gold an internationalen Goldhandelsplätzen halten, um es im Fall der Fälle binnen kürzester Zeit als Währungsreserve verfügbar zu haben.“
Also nochmal zum Mitschreiben: Das Gold ist besser verfügbar, wenn man es weit weg lagert. Komisch, ich dachte immer, daß ich besser an was herankomme, wenn es in der Nähe ist.
Noch mehr Ungemach für die Bundesbank: Jetzt fordert Bundesrechnunghof Kontrolle
Der Bundesrechnungshof fordert „angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, daß diese noch nie aufgenommen wurden“ regelmäßige Stichproben.
Dem will aber die Bundesbank nicht entsprechen. Als Makulaturmaßnahme zur Beruhigung des Volkes wird taschentrickartig gehandelt. Bundesbänker Thiele wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Forderung des Bundesrechnungshofs nach Stichproben (warum eigentlich?).
Er will statt Stichproben folgende Methode zur „Überprüfung“: „Wir werden in den kommenden drei Jahren jährlich 50 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland bringen.“ Das gebe der Bundesbank die Gelegenheit, diese Barren zu überprüfen.
Also nehmen wir mal an, Sie haben jemand 3.396 Goldmünzen zum sicheren Einlagern anvertraut und sind sich nicht sicher, ob die noch da sind. Würden Sie dem dann sagen: Weißt Du was, gibt mir mal so 50 Goldmünzen davon nächstes Jahr, dann kann ich daran ja sehen, daß der Rest noch da ist.
So ein ausgemachter Schwachsinn, würde jeder sagen. Klar ist das Schwachsinn.
Denn um zu überprüfen, ob ihre 3.396 Goldmünzen noch da sind, müßten Sie sagen: Zeig mir mal die Lagerstätte, ich komme mal kurz bei Dir vorbei und Du öffnest den Tresor, damit ich nachschauen kann, ob da noch alles drin ist. Ich zieh aus dem Stapel einfach mal so stichprobenartig 15 Goldmünzen raus und wenn die alle echt sind, dann ist ja alles bestens.
Jetzt fragen sich natürlich viele Leute, die klaren Verstandes sind: WAS soll eigentlich solch eine trickartig anmutende Methode zur Beruhigung des Volkes? Wenn die Aussage stimmt, daß das Gold im Ausland besser aufgehoben („besser verfügbar“) ist, dann wäre es ja besser, man ließe es da und machte einfach die viel weniger aufwändige Stichprobe.
Tja, und man kann ja auch als Bundesbank mal anders bilanzieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder? Gold als Sachwert ist neu in der Bilanz unter Wertpapier-Forderungen erfaßt. Nochmals zum Mitschreiben: Wert-„Papier“-Forderungen. Seit wann ist eigentlich Gold ein Wertpapier? Gold ist doch immer genau das Gegenteil von einem Wert-„Papier“ gewesen? Wieso bucht die höchste deutsche Staatsbank plötzlich so?
Jeder Bank-Lehrling auf der Welt, der physisch vorhandenes Gold so buchen würde bei seiner Abschlußprüfung, würde durchfallen.
Aber stimmt ja, ich mach mir hier viel zu viele Gedanken. Die haben schon ihre Gründe, so zu buchen und alles wird seine gute Ordung haben.
Und diese ganzen skeptischen Politiker, meist aus der konservativen Ecke, die übertreiben ja sowieso immer mit ihrer Angstmacherei. Schon bei Schengen hat sich ja gezeigt, daß die Schweiz überhaupt gar nicht mehr Kriminalität hat. Diese rechten „Scharfmacher“ betreiben ja nur Scharfmacherei. Oder etwa nicht?
Bundesbänker Thiele betonte daher auch: „Wir lassen unser Gold seit Jahrzehnten beanstandungsfrei von den hoch angesehenen Notenbanken der USA, Großbritanniens und Frankreichs verwahren und nicht von irgendwelchen windigen Geschäftspartnern. Ein Teil der Diskussion in Deutschland ist schon einigermaßen grotesk.“
Frankreich hat 7mal Staatsbankrott hingelegt in seiner Geschichte, die USA sind bekannt dafür, daß sie fremdes Geld seit Jahrhunderten im Falle eines Falles als „Feindvermögen“ kurzerhand beschlagnahmen (man bedenke nur das Verhalten der USA gegenüber der kleinen Schweiz in letzter Zeit und die Methoden dabei). Und zudem stehen die USA gemäß tausenden von Medienberichten selbst kurz vor einem Staatsbankrott. Aber diese ganzen Journalisten, was die auch alles zusammenschreiben. Muß man ja nicht glauben.

Und daß gemäß einer „ABC News“-Umfrage von Mitte 2012 die Mehrheit der Amerikaner an einen bevorstehenden Staatsbankrott der USA glaubt, zeigt ja auch nur einmal mehr: Die Amerikaner sind halt klassische Pessimisten. Ja, so kennt man sie. Pessimistisch bis zum Geht-nicht-mehr. Dafür sind sie ja bekannt, die Amis. Wer will dem widersprechen. Oder?
Und die Nettoneuverschuldung in Großbritannien. Was für ein Märchen. Das sind ja nur Statistiken. Natürlich ist Gold da sicher aufgehoben. Und England hat ja auch noch nie in seiner Geschichte Staatsbankrott hingelegt. Das steht nur in Geschichtsbüchern, die total gefälscht sind.
Wer skeptisch ist und diese Ausführungen ganz eventuell nicht glaubt – soll es ja geben, daß Leute massiv mißtrauisch sind -, der kann die Goldinitiative nutzen, um zu fordern, daß das Schweizer Nationalbankgold ins Inland geholt wird.
Aber wie gesagt: Eigentlich völlig unnötig. Gerade in diesen sicheren Zeiten, in denen wir heute leben. Alles reine Panikmache von Populisten und Konservativen wie Lukas Reimann, Luzi Stamm – und noch schlimmer – Dr. Ulrich Schlüer. Die wollen doch alle nur den Goldmythos bedienen, vermutlich, um Wählerstimmen zu bekommen. Dabei haben sie nur vergessen, daß ja überhaupt gar keine Wahlen anstehen.
Daß auch Urs P. Gasche (ehemals Kassensturz, K-Tipp usw.) das Versteckspiel der Schweizerischen Nationalbank kritisiert, kann höchstens bedeuten, daß er jetzt plötzlich konservativ geworden ist. Kann ja im Alter mal vorkommen, daß jemand noch die Religion wechselt (Auszug Gasche-Beitrag auf Infosperber.ch / kursiv). Möglicherweise ist er ja auch einfach nur senil geworden und daher seinen Prinzipien untreu. Wie kann es sonst sein, daß er sowas schreibt:
Fadenscheinige Begründung
Wo genau und wie viel des Nationalbank-Goldes die Nationalbank gelagert hat, gibt sie «aus Sicherheitsgründen» nicht bekannt. Diese Begründung ist wenig glaubwürdig: Die deutsche Bundesbank hat offensichtlich keine Sicherheitsbedenken, Ort und Menge ihres gelagerten Goldschatzes bekannt zu geben. Und auf den Einwand, daß Fort Knox und der Bunker in New York nicht unsicherer werden, wenn die Nationalbank sagt, wie viel Gold sie dort gelagert hat, reagierte die Nationalbank nicht. Sie weckt damit den Eindruck, etwas verschleiern zu wollen, und nährt das Mißtrauen, daß das US-Schatzamt nicht mehr genügend Gold gelagert hat, um den Ansprüchen sämtlicher Nationalbanken gerecht zu werden.
Und überhaupt: Die Nationalbank weiß schon, was sie tut.
Die Entscheidung, an „Rockstar“ (Tagesanzeiger) Philipp Hildebrand festzuhalten, war doch völlig richtig. Der Schweiz hätte gar nichts besseres passieren können, als weiterhin einen Nationalbankchef zu haben, welcher keinerlei Skrupel hat, nicht einmal welche, sein Amt für private Spekulationen zu mißbrauchen. Das sind doch dann durchsetzungsfähige Leute. Schade, daß Hildebrand – natürlich nur aufgrund parteipolitisch motivierter Enthüllungen – gehen mußte.
Insofern erleichtert es, daß nun wenigstens in der Finma der verantwortliche Japan-Chef der UBS als zuverlässiger Leiter der Bankenaufsicht plaziert worden ist. Mark Branson ist sicher ein guter Mann, wenn er die Mitarbeiter unter sich hatte, die den Libor-Skandal und die historisch einmaligen Milliardenbußen gegen eine Bank zu verantworten haben.
Leute, die behaupten, daß mit Branson als Bänker, der nun als oberster Bankenaufseher fungiert, der Bock zum Gärtner gemacht wurde, das sind doch nur politisch motivierte Miesmacher. Solche Bock-zum-Gärtner-Theorien kann man getrost wegwischen.
Nein, es braucht Leute aus der Praxis.
Dieses Praxis-Erfahrungsprinzip sollte man daher vielmehr ausweiten anstatt kritisieren. Man könnte zum Beispiel überlegen, ob man nicht einen langjährigen Heroinkonsumenten anwirbt für die Überwachung der Narkotika im Kantonspital. Oder besser noch – da viel effektiver – beim Bundesamt für Gesundheit. Und ihm dort die Leitung der Suchtpolitik der Schweiz überträgt. Das Argument, Branson sei ein Mann der Praxis ist nämlich nicht nur bei der Finma und ihrem Entscheid für Branson angebracht. Diese Methodik sollte man ausbauen und auf weitere Behörden ausdehnen.
Es gibt aber noch viele weitere Gründe, der Nationalbank und dem Finanzdepartment blind zu vertrauen.
So war zum Beispiel die Entscheidung, zu historischen Tiefstpreisen massivst Goldbestände zu verkaufen, völlig richtig. So konnte man Schweizer Volksvermögen zugunsten von Rußland, China und etlichen arabischen Staaten umschichten, ohne, dies als Entwicklungshilfe deklarieren zu müssen. Das war doch perfekt. Jemand, der so umsichtig und schlau handelt wie die SNB jetzt zu hinterfragen, das grenzt ja schon an Ketzerei. Auch die Anbindung des Frankens an die sterbende Währung Euro war doch völlig richtig.
So kann die Schweiz unbesorgt sein, wenn die EU-Währung Euro mit der Union untergeht. Sie ist mitten dabei und niemand wird sie mehr beneiden. Endlich werden die Attacken von Deutschland aufhören oder zumindest besteht dann eine Chance dazu, die realistisch ist.
Denn die maroden Nachbarstaaten der EU werden sicher anerkennen, daß die sparsame und solide wirtschaftende Schweiz ihre Währung zugunsten der schulden-machenden EU-Länder freigiebig geopfert hat.
Diese Erfahrung macht die Schweiz ja seit Jahren. Je mehr sie nachgibt, je mehr die Milliarden ins Ausland sprudeln, desto dankbarer wird sie behandelt. Jedesmal, wenn sie nachgibt und einknickt, wird sie umgehend belohnt: Auch andere treten mit Forderungen an sie ran und sie darf immer wieder knieen. Der Kreislauf ist perfekt. Die weltberühmte Schweizer Diplomatie wurde ihrem Ruf in den letzten Jahren mehr und mehr als je zuvor gerecht.
Hans-Rudolf Merz hat somit als Vorgänger von Eveline Widmer-Schlumpf in großer Weitsicht die Knie-Ära eingeführt. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist, daß man den Schweizer Bundesräten endlich Knie-Schoner kauft.
Schließlich müssen auch Bundesräte ein Anrecht auf unversehrte Gesundheit haben.
Und bei den ganzen Kniefällen – ob vor Gaddafi, der EU, den USA oder vor Turkmenistan und vor sonstwem noch alles – da muß man wirklich Verständnis haben, wenn einzelne Bundesräte (wie SchweizBlog.ch aus absolut zuverlässiger Quelle zugetragen wurde) fordern, Knieschoner tragen zu dürfen.
Remo Maßat