
Darf man eine Politikerin als verdorben bezeichnen, wenn sie etwas Verdorbenes tut? Oder ist es ehrverletzend gemäß Schweizer Gesetz?
Zürcher Edel-Adresse Schipfe 45.
Für Wohnraum in dieser Premium-Lage von Zürich stehen hunderte Leute Schlange, wenn einmal etwas frei ist. Berichtet der Tagi kürzlich. Eine Wohnung an der Adresse Schipfe 41 war frei. Die Vermieterin ist die linksregierte Stadt Zürich.
250 Leute wollten die Wohnung.
Wer wohnt denn noch dort?
Wie die Weltwoche enthüllt, die christliche, familienbewegte CVP-Nationalrätin Kathy Riklin.

Aber sie zahlt nicht 4.000 Franken, wie ein normaler Mieter, so der Blick, der die Weltwoche-Berichterstattung aufgreift, sondern vergleichweise läppische 2300 Franken für eine Wohnung an dieser Lage und in dieser Größe und Ausstattung.
Die CVP-Politikerin, gegen die gerade ein Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverrat läuft, ist sonst für freches Mundwerk bekannt.
Jetzt aber schweigt die CVP-Millionärin. (Nachtrag: nicht mehr, immerhin – sie nimmt auf ihrer Webseite Stellung. Und bestätigt die Berichterstattung der Weltwoche zu meinem eigenen Erstaunen. Und noch mehr: Sie äußert, daß sie ihr Verhalten nicht für verwerflich halte, jammert, daß es keinen Lift gibt und daß sie außerdem noch im Engadin eine Liegenschaft hat)
Sie hat nebst der Zürich-Wohnung auch einen Zweitwohnsitz im Tessin. Und ist Mitbesitzerin eines lukrativen Mehrfamilienhauses am Zürichberg. Für solche Leute stellt also die linksregierte Stadt Zürich verbilligten Wohnraum zu Verfügung.
Solche Politiker, die in ihrem Logo auf der Webseite das Wort liberal und das Wort sozial haben, bekommen also ganz unliberal, ganz planwirtschaftlich staatlich vergünstigten Wohnraum.
Und was daran sozial sein soll, daß Millionärinnen der CVP links politisieren und auf sozial machen und dann verbilligten Wohnraum in Anspruch nehmen ohne sich dafür zu schämen, das muß mir Kathy Riklin einmal erklären.

„Haben Sie eine Anregung? Zögern Sie nicht, lassen Sie es mich wissen.“ Das schreibt Kathy Riklin auf ihrer Webseite.
Ich habe eine Anregung für sie: Sich öffentlich entschuldigen und dann sofort zurücktreten.
Übrigens schreibt Riklin auf ihrer Webseite schwülstige Texte:
Meine Vision für die Schweiz: Eine Schweiz für Dich – und mich.
Ein Land, das den Menschen menschliche Heimat bietet, sie fördert und fordert – das Eigenverantwortung und Rücksicht kennzeichnet, aber das die Schwachen nicht zurückläßt.
- Menschliche Wärme
- Solidarität und Eigenverantwortung im Ausgleich
Das ist ja sehr solidarisch mit der Solidargemeinschaft: Verbilligter Wohnraum für CVP-Millionäre. Und die Worte „die Schwachen nicht zurückläßt“ klingen da doch auch sehr einleuchtend. Auch das Wort Eigenverantwortung ist natürlich sehr ernst-zu-nehmen und keineswegs nur Gesülze. Und das Wort Rücksicht ist auch sehr ernstgemeint. Ganz sicher.

Auf ihrer Webseite äußert sie zu den Weltwoche-Enthüllungen, daß sie ja nur ach so wenig verdient. 130.000 Franken angeblich „nur“.
Wie geht das bei all diesen Ämtern? (siehe Liste unten) Macht sie die alle gratis? Bekommt man da nichts für? All die Leute, die in diesen Gremien sitzen, arbeiten gratis? Sie führt übrigens bezeichnenderweise die Rega-Enthüllung der Weltwoche an. Die Rega wollte die Zahlen vertuschen und es kam raus, daß ein Rega-Kader wie Herr Kohler mehr verdient, als ein Bundesrat.
Kathy Ricklin hat eine der längsten Listen an Interessenverbindungen von allen Parlamentariern. Es fragt sich bei einer derartigen Flut von Mandaten ja nun wirklich, wie man all diese Mandate noch seriös ausführen kann. Und nebenbei im Nationalrat Politiker sein kann.
Hat sie tatsächlich „nur“ 130.000 Franken in der Steuererklärung angegeben? Wie sie heute schreibt auf ihrer Webseite? Bei sovielen Mandaten?
Was kommt bei Kathy Riklin noch raus? Hoffentlich bleibt die Weltwoche dran.
Remo Maßat
Interessenbindungen
| Name | Rechtsform | Gr. | F. |
|---|---|---|---|
| Universitätsrat der Universität Zürich, Zürich | Anst. | – | M |
| Berufslehr-Verbund Zürich (BVZ) | Stift. | Sr. | M |
| Schweizerische Stiftung PRO VENEZIA, Bern | Stift. | Sr. | M |
| Stiftung Pusch (Praktischer Umweltschutz Schweiz) | Stift. | Sr. | M |
| Forum VERA, Verantwortung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle, Bern | Ve. | V | P |
| Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) | Ve. | V | M |
| Helvetas, Schweizerische Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, Zürich | Ve. | Bei. | M |
| International Association for the Exchange of Students for Technical Experience (IAESTE) | Ve. | V | M |
| INTERTEAM | Ve. | V | M |
| Pro Natura, Zürich | Ve. | V | M |
| Schweizerische Gesellschaft für Aussenpolitik (SGA) | Ve. | – | M |
| Schweizerische Vereinigung für Geothermie (SVG) | Ve. | V | P |
| SwissICT | Ve. | V | M |
| Winterhilfe Kanton Zürich | Ve. | V | P |
| Organe consultatif sur les changements climatiques (OcCC) (Beratendes Organ) | – | – | P |
| Scaht, Swiss Centre for Applied Human Toxicology (Strategisches Leitungsorgan) | – | – | P |
| Schulrat der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich | – | – | P |