
Der deutsch-französische Journalist Peter Scholl-Latour ist 90jährig verstorben
Er sagte im März 2014 im Merkur über sich selbst:
Ich habe mir nie ein großes Ziel gesetzt. Und ich bin auch nie der Verkünder einer Botschaft gewesen. Auch bekehren wollte ich nie. Ich habe lediglich versucht, dazustellen, was war und ist. Das ist allerdings oft vom Mainstream, von vorherrschenden Meinungen abgewichen.

Ein interessanter Nachruf dazu von Gregor Gysi, Politiker der Linken, auf FB:
Der Tod von Peter Scholl-Latour erschüttert mich schwer. Er war eine sehr eigenständige, sehr eigenwillige und herausragende Persönlichkeit. Er interessierte sich für die Menschen jeglicher Nationalität, jeglichen Glaubens, bereiste die Welt und ließ uns teilhaben an seinen Erfahrungen, seinen Sichten und seinem Wissen. Wenn man nur die Fähigkeit besaß, ihm aufmerksam zuzuhören, ihn interessiert zu lesen, mußte man ihm nicht immer zustimmen, wurde aber klüger. Ich mochte ihn, es tut mir mehr als leid.
Ein Zitat aus der Schweizerzeit Schriftenreihe Nr. 34, 2000, also vor 14 Jahren zur ethischen Verkommenheit der westlichen Gesellschaften und ihrer Kirchen:
„Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr. Das ist in den Augen der Muslime auch das Verächtliche am Abendland.“ – zitiert bei Eduard Stäuble: Die Schweiz und die geistige Situation der Gegenwart.“
Und noch ein Zitat, nicht von sondern über Peter Scholl-Latour:
„Der Islam hat drei Grundglaubensrichtungen: Sunniten, Schiiten und Peter Scholl-Latour.“ – Jürgen Becker in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“ am 1. Oktober 2006
Peter Scholl-Latour sagte gegenüber Telepolis zur Ukraine-Krise im Bayerischen Merkur:
Journalist: „Was halten Sie von der Empörung und auch der Wut, mit der westliche Politiker auf die Ereignisse in der Ukraine reagieren?“
Scholl-Latour: „Völlig überzogen, unrealistisch und von Voreingenommenheit gegenüber Russland geprägt. Vergessen wir nicht: Weder die derzeitige Kiewer Regierung noch der Präsident sind legitimiert. Auch ich halte wenig von dem gestürzten Präsidenten Janukowitsch. Der rechtmäßige Präsident der Ukraine ist er dennoch. Und was die Amerikaner anbelangt: sie sollten nicht zu laut tönen. Sie haben schon dreimal rote Linien gezogen und nicht eingehalten.“
Und im Merkur:
„Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung.“
Auf die Frage „Inwiefern?“ sagte er:
„Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinzialisierung geführt. Ähnliches fand und findet ja bezüglich Syrien und anderen Krisenherden statt.“
Wenn man all das liest, tut die Schweiz wohl recht, nicht vollständig mitzumachen an den Sanktionen gegen Rußland.
Remo Maßat