Das Fernseh-Publikum hat entschieden. Die Heilsarmee soll der Schweiz am Eurovision Song Contest 2013 in Malmö (SE) den Sieg sichern.
Deutliches Votum

Die NZZ sprichzt von einem deutlichen Entscheid am Fernsehen. Die sechs Berner zwischen 20 und 94 Jahren konnten sich am Wochenende bei dem vom SRF organisierten Schweizer Vorentscheid mit 37,5 Prozent der Telefon-Stimmen deutlich gegen die Westschweizer Band Carrousel (17,3 Prozent) durchsetzen. Dies trotz des Denglisch. Verpaßt wurde die Chance, in einer Landessprache der Schweiz die Schweizer Kultur im Ausland zu präsentieren.
Das deutsche GMX.net schreibt: Die Heilsarmee setzte sich gegen Musiker mit bedeutend mehr Bühnenerfahrung durch. Unter die ersten drei – in Kreuzlingen wurden keine Rangfolge und keine Stimmzahlen bekannt gegeben – kam das Duo Carrousel mit seinem Folk-Rock-Song „J’avais rendez-vous“. Die Romands haben bereits zwei Alben publiziert und über 200 Konzerte gegeben.
Und trotz des deutlichen Stimmvotums gibt es Widerstand.
Das SRF schreibt:
Die Adventszeit ohne singende Heilsarmee auf Schweizer Straßen? Unvorstellbar. Die Heilsarmee am Eurovision Song Contest? Ebenfalls unvorstellbar.
Journalisten haben tatsächlich offenbar wenig Freude an der Heilsarmee-Teilnahme. Wer „guhgelt“ nach „Heilsarmee Eurovision“ oder Ähnlichen Suchsträngen, der stößt auf lauter von Hässigkeit triefende Kommentare.
Doch was kann man eigentlich gegen die Heilsarmee-Improvisations-Musiker haben?
Die Kritik lautet im Kern ganz einfach: „zu christlich“.

Nachdem die Organisatoren des Eurovision Songcontest die Heilsarmee Schweiz zur Teilnahme zuließ und offenbar für völlig unbedenklich hielt, wirkt inzwischen das Trommelfeuer der Journalisten.
Bei einer Gruppe anderer Religion würde es vermutlich heißen seitens der Journalisten, man sehe kein Problem. Das sind halt fromme Leute.
Der Auftritt der bekennenden Gläubigen stehe doch für die Friedfertigkeit dieser Religion und man müsse die Teilnahme unterstützen. Sie präsentiere auch der Wiederspiegelung der multikulturellen Schweiz und der Integration.
Aber Heilsarmee? Zu christlich.
Die Schweizer haben also in der Ausscheidung eine Gruppe gewählt, die christlich orientiert ist.
Für den seit Jahren gegen christliche Organisationen schreibenden Tagi-Autor Michael Meier („Die braunen Lehrer des Papstes“…) muß das Horror gewesen sein. Über 30 Prozent Stimmen. Genausoschlimm, wie wenn die SVP über 30 Prozent hat. Tagi-Autor Hugo Stamm bezeichnete Christoph Blocher ja einmal ernsthaft als „Sektenführer“.
Also berichtete der linksausgerichtete Tagesanzeiger (Tamedia) über ein Mail aus einem Geschehen im Mai 2012: «Die Heilsarmee toleriert keine außerehelichen und gleichgeschlechtlichen Verbindungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden» und kramt damit einen Fall heraus, den 20 Minuten (ebenfalls Tamedia…) im Frühjahr 2012 aufgriff:
Damals berichtete 20 Min über den Fall einer Kündigung einer leitenden Mitarbeiterin, weil sie eine lesbische Beziehung mit einer anderen Mitarbeiterin hatte. Die christliche Organisation verwies auf „verbindliche biblische Grundsätze“. Daß die christliche Organisation, sich auf das bezieht, was in der Bibel steht, kam jedoch bei Journalisten von 20 Min nicht gut an.

Eine lesbische Mitarbeiterin wurde also entlassen, 20 Minuten-Redaktor Roman Hodel empörte sich.
Sowas käme ja bei anderen Religionen natürlich nie vor.
Heilsarmee-Sprecher Martin Künzi jedenfalls damals dazu: «Eine Führungskraft muß die biblischen Grundsätze nach Interpretation der Heilsarmee mittragen – wir haben uns auch schon von einem Kadermann getrennt, der ausserehelich eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin unterhielt.» Und Künzi äußert sich keinesfalls abfällig über die Gekündigte, sondern im Gegenteil anerkennend und bedauert ihre unvermeidbare Kündigung sogar sehr: «Die Kaderfrau war kompetent und geschätzt.»
Ihre lesbische Freundin arbeitete im Übrigen weiter bei der Heilsarmee – bei normalen Angestellten ohne maßgebliche Vorbildfunktion ist man großzügiger. Also von wegen extrem homophob, so wie das bestimmte Journalisten heute darstellen:
Auch von anderen linken Medien wird aber nun die Sache wieder hervorgekramt und anläßlich der Kandidatur für den Eurovision Song contest – wie das linke Medien nunmal so machen – aus dem Zusammenhang gerissen bzw. geschrieben.

Etwa bei der Linksaußen-Zeitung der Gewerkschaften, welche komischerweise ausgerechnet mit dem häßlichen Globalesisch-Namen „work“ (sprich „Wöhrk“, komisch, sind Gewerksschaften nicht gegen Globalisierung?) daherkommt, diffamiert man genüßlich.
Inzwischen stößt aber das Journalisten-Ereifern auch von ungewohnter Seite auf Kritik. Das Magazin „queer“ schreibt:
Es ist zudem falsch, der Heilsarmee Homophobie zu unterstellen. Die Heilsarmee hat ihre Grundsätze, ihre Religion, das gilt es zu akzeptieren. Sie ist aber fern der Homophobie. Pressesprecher Martin Künzi betont dies immer wieder.
Gerne verweisen Kritiker auf den Fall der lesbischen Frau, die angeblich wegen ihrer Sexualität ihre Arbeit bei der Heilsarmee verloren hat. Damals wie heute sind die genauen Fakten nicht bekannt. Eine Glaubensgemeinschaft auf diesen Fall zu reduzieren, ist zu einfach. (Quelle)
In einem Bericht auf 20 Min von Marlies Seifert wird im November immerhin erwähnt (kursiv):
Die Homophobie-Vorwürfe will er (Künzi) nicht gelten lassen. Es werde zwar von Mitarbeitern erwartet, daß sie sich an «christliche Werte» hielten, aber «wir diskriminieren niemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung», verteidigt sich Heilsarmee-Pressesprecher Martin Künzi. Beim Vorfall im Mai sei die Gesamtkonstellation problematisch gewesen. «Und wir haben nicht optimal kommuniziert», räumt Künzi ein. «Bei der Einstellung ist die sexuelle Orientierung kein Kriterium», erklärt er weiter. «Man kann als homosexuelle Person bei der Heilsarmee arbeiten und offen zu seiner Sexualität stehen. Aber in einem christlichen Umfeld wird dies immer eine Herausforderung sein.»

Bei der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross sieht man der Eurovision-Teilnahme denn auch gelassen entgegen. «Ich sehe kein Problem», sagt Geschäftsführerin Alice Parel auf Anfrage. «Wegen eines Einzelfalls möchte ich nicht die gesamte Heilsarmee der Homophobie bezichtigen», sagt sie. Ähnlich sieht man die Situation beim an Schwule und Lesben gerichteten Online-Magazin «Queer».
Das Journalisten-Trommelfeuer wirkt derweil. Hella von Sinnen, eigentlich Jurorin beim Eurovision fühlt sich bemüßigt, ebenfalls ins Horn zu tuten und beschimpft die Kandidaten schon im Vorfeld: „Falls diese döllige Truppe es nach Malmö schafft, können sie ihren Horizont erweitern und ihren Fundamentalismus aufweichen.“ läßt sich sich im Blick zitieren.
Die Heilsarmee äußert sich auch zur Sache. In einer Medienmitteilung, welche der Redaktion von Schweizblog.ch vorliegt, heißt es:
Die Forderung, wonach sie auf Namen und Uniform verzichten müsste, um am ESC die Schweiz vertreten zu dürfen, stösst bei der Heilsarmee auf Unverständnis. Gemeinsam mit dem Schweizer Fernsehen sucht sie nun nach Lösungen, um in Malmö die Schweiz vertreten zu können, ohne sich deswegen verrenken zu müssen
Das Publikum schickte die Heilsarmee am vergangenen Samstag in der grossen Entscheidungsshow mit über 37 % der Stimmen zum Eurovision Song Contest nach Malmö. Nun gibt es Wirbel darum, ob die Heilsarmee überhaupt zum Wettbewerb in Malmö zugelassen ist. Die Heilsarmee dürfe nur ohne ihre Uniform und unter anderem Namen auftreten heißt es von der EBU (European Broadcasting Union). Die EBU begründet die Auflagen mit dem Reglement über die Zulassung zum Eurovision Song Contest.
Die Heilsarmee hat gestern vom Schweizer Fernsehen von diesen Auflagen erfahren und wird nun zu einem raschen Entscheid gedrängt. Anlässlich einer Sitzung der Heilsarmeeleitung gemeinsam mit Bandmitgliedern wurde die Situation heute Dienstag diskutiert.
Die Darbietung von „You and me“ (Du und ich) ist ein Gesamtpaket mit Lied, Kostüm und Schau. Sie wurde als solches geplant und zum Sieger erkoren. Das Lied hat in dieser Form auch in Malmö berechtigte Chancen. Daß zentrale Elemente ihres Auftritts plötzlich nicht mehr zugelassen sein sollen, erstaunt die Heilsarmee. Gerade die Auflagen in Bezug auf die Uniform sieht sie als fragwürdig, insbesondere auch da die anderen Gruppen ihre Aussehen selbst bestimmen können.
Müßte die Heilsarmee den heute bekannten Auflagen vollumfänglich entsprechen, würde sie von einem Auftritt in Malmö absehen. Trotzdem glaubt die Heilsarmee daran, daß sie gemeinsam mit dem Schweizer Fernsehen einen Weg finden kann. Sie geht davon aus, daß es Möglichkeiten gibt, sich selber treu zu bleiben und gleichzeitig die Schweiz mit dem Siegerlied, wie ihn das Publikum gesehen hat, in Malmö zu vertreten.