Mit Äußerungen wie «Die Wirtschaft hat die Aufgabe, die Menschen von der Arbeit zu befreien.» machte Götz W. Werner in Deutschland der Schweiz hinsichtlich Debatten um ein sog. „bedingungsloses Grundeinkommen“ von sich reden.

Götz W. Werner-Zitat zur Schweiz (www.unternimm-die-Zukunft.de)
Götz W. Werner-Zitat zur Schweiz (www.unternimm-die-Zukunft.de)

Auch wenn man – wie ich – dem Gedanken, einen Anspruch auf ein Grundeinkommen verfassungsmäßig zu verankern (solches gibt es in einigen Emiraten sogar in extrem hohen Beträgen, allerdings dort dann nur für Inländer) skeptisch gegenübersteht, sind einige Gedankengänge durchaus interessant.

Vermutlich hätte Karl Marx eine helle Freude an Götz W. Werner und seinen Theorien gehabt, Zitat:

Wir leben im Überfluß an dem, woran früher Mangel bestand. Das liegt an optimierten Methoden, Technik und weltweiter Arbeitsteilung. Niemand arbeitet mehr für sich, sondern für andere, und was jemand für sich zum Leben braucht, haben andere für ihn gemacht. Mit Geld funktioniert dieses Zusammenspiel. Wo aber niemand mehr sich selbst versorgen kann und alles Lebensnotwendige nur mit Geld zu haben ist, da ist das Recht auf Leben gleichbedeutend mit einem Recht auf Einkommen. Da ist ein freies Bürgereinkommen gleichbedeutend mit dem demokratischen Grundrecht auf Teilnahme an der Gesellschaft.

Hier zeigt sich auch schon eine Schwierigkeit. Götz W. Werner spricht auf einmal nicht mehr von einem Grundeinkommen, sondern von einem Bürgereinkommen.

Ein Land, welches also ein Grundeinkommen (bedingungsloses…) einführt, wäre sicherlich der Situation ausgesetzt, daß der Paß dieses Landes extrem begehrt werden würde. Der Schweizer Paß ist gegenwärtig bereits der begehrteste der Welt.

Erstaunlich erscheint die Biographie von Götz W. Werner. Er ist nicht irgendein Ideologe, der nur hehre Forderungen aufstellt, wie das bei vielen linken Politikern der Fall ist. Sondern Gründer der größten deutschen Drogeriekette, DM-Drogeriemärkte. (mit Abstand gefolgt von Roßmann und vor der Insolvenz von Schlecker gefolgt von der inzwischen insolventen Schlecker-Kette)

Anders als bei den aggressiv vorgehenden Konkurrenten Schlecker und Roßmann, wo besonders bei ersterem große Kritik an Drangsalierung von Mitarbeitern herrschte und auch die Kundenzufriedenheit mäßig war, ist DM bei Kundenzufriedenheit und auch bei Mitarbeiterzufriedenheit auf Platz 1.

Auch das spricht für sich.

Auch in Österreich ist die Kette aktiv und auf Platz 1. Hier ist auch der Hauptsitz des Konzerns, der in 11 europäischen Ländern tätig ist. Insofern ist dies interessant, weil hier also kein „Kommunist“ diese Forderung aufstellt, daß es ein „bedinungungsloses Grundeinkommen“ geben müsse, sondern ein gestandener und zudem sehr erfolgreicher Unternehmer, ein „Milliardär“, der sich selbst aber nicht als einer sieht und auch nicht so bezeichnet werden möchte.

Man kann also diesen Mann – auch, wenn man seine Ideen nicht teilt – nicht einfach als einen irren Phantast wegwischen oder als einen wirren Polit-Ideologen sehen.

Hinsichtlich seines Vermächtnisses sollte Götz W. Werner aufpassen, daß seinem Vermächtnis nicht das gleiche passiert, wie dem Vermächtnis des ähnlich charimatischen und philantrophen Schweizer Unternehmers Gottlieb Duttweiler, welcher sich vermutlich gegenwärtig täglich im Grab umdreht.

Die Migros umgeht heute aktiv das Tabak- und Alkoholverbot, wobei dies nur die am offensichtlichsten sichtbare Spitze des Eisbergs ist, bei dem die Verantwortlichen bei der Migros heute das Vermächtnis des legendären Gründers schamlos mit Füßen treten.

Auch etwas für die Rubrik „Schweiz ist anders“

Aber nicht nur, weil ich die Debatte und die Person hinter der Debatte interessant finde, sondern auch, weil ich auf der Webseite ein interessantes Video entdeckt habe, in welchem sich Werner zur unterschiedlichen Debattenkultur zwischen der Schweiz und Deutschland aufschlußreich äußert, hier ein Verweis auf das Video.

Denn wenn man einmal von ein paar perfiden sog. „Journalisten“, die sich nicht der Wahrheit, also dem Berichten verpflichtet fühlen, sondern zT wirklich skrupelloser Lügenpropaganda, bewußter Falschdarstellung und auch perfider Hetze gegen Menschen mit anderer Meinung, dann muß man sagen:

Die Beobachtung, daß die Schweiz die wesentlich ruhigere und ausgeglichenere (tolerantere) Debattenkultur hat, kann ich nur teilen.

Götz Werner zum Grundeinkommen in der Schweiz from grundeinkommen.tv on Vimeo.