
Vielen Ausländern, namentlich aus Deutschland oder Österreich wird – wie es mir vor vielen Jahren auch passiert ist – dringend nahegelegt, wenn man gründet, doch dann den billigen Kanton Zug zu wählen. Da würde man ganz schön Steuern sparen.
Aber sonst ist er in der gesamten Schweiz als extrem teuer bekannt.
Wie kommt es zu diesem Widerspruch?
Gut, der Kanton Zug, hat tatsächlich niedrige Steuern. Und daher sitzen dort Konzerne wie Coca-Cola, Google usw. usf.
Aber sonst ist alles teuer: Die Mieten sind im Steuerparadies Zug extrem hoch, selbst Briefkasten-Adressen läßt man sich teuerst bezahlen.
Und nicht nur das:
Während in vielen Kantonen – wie zum Beispiel dem Thurgau – die Notarkosten einfach nach den offiziellen Sätzen abgerechnet werden dürfen im Kanton Zug Anwälte und Notare nach eigenem Gutdünken zulangen und die Kosten nach Stundenaufwand abrechnen.
Privat geführte Zuger Notariate viel teurer als Amtsnotariate
So kann dann – wie bei mir geschehen – eine einfache GmbH-Gründung einfach mal schlappe 1.998 Franken an Notarkosten ausmachen. Wohlgemerkt ohne Handelsregisteramtskosten etc.
Nur für den Notar.
Im Thurgau hätte das gleiche Geschäft CHF 500 gekostet zuzüglich CHF 20 pro Urkunde. Also wenn man nicht nur eine Urkunde für das Amt erstellen läßt, sondern noch für sich eine Kopie will, 540 Franken.
Das heißt, das angeblich so günstige Zug bzw. der Kanton Zug kann richtig teuer werden. Und dies nicht nur bei der Gründung einer GmbH oder AG. Denn auch die laufenden Kosten für Domizil und Miete sind dort viel teurer als sonstwo in der Schweiz, ganz zu schweigen wenn man noch einen Treuhänder einsetzt, der ebenfalls viel mehr kostet und für Deutsche notwendig ist, sonfern sie keinen Wohnsitz in der Schweiz haben. Denn Vorschrift ist, daß ein Geschäftsleitungmitglied in der Schweiz Wohnsitz haben muß.
Tipp: Notariat außerkantonal auswählen nach Kosten
Man kann übrigens, was viele nicht wissen, auch in einem Kanton gründen und im anderen zum Notariat gehen. Als Deutscher kommt dann infrage, daß man einfach sagt, man hat – bleiben wir beim Beispiel Thurgau – dort im Thurgau einen Termin und möchte beides verknüpfen und daher die Beurkundung gerne im (günstigeren) Kanton Thurgau machen.
Tipp: Öffentliche Urkundsperson statt Notar
Für ein Grundbuchgeschäft braucht es dringend einen privaten Notar oder einen Amtsnotar.
Nicht so aber nach Schweizer Recht für eine Gründung einer AG oder GmbH oder anderen Rechtsform wie der Kollektivgesellschaft, der Genossenschaft, KG etc.
Hierfür kann man auch eine öffentliche Urkundsperson nehmen, die meist günstiger ist.
Tipp: Steuern vergleichen unter Berücksichtigung des Geschäftsvolumens
Für kleine KMU-Firmen, hochdeutsch „mittelständische Firmen“ (KMU steht für kleine und mittlere Unternehmen) ist es viel sinnvoller in einem Hochsteuerkanton zu gründen und weniger Steuern zu zahlen.
Ja, sie haben richtig gelesen. In einem Hochsteuerkanton oder einer Steuerhölle weniger zahlen als in Steuerparadies-Kantonen.
Wie kann das sein?
Ganz einfach: Wer in manch links regierten Kantonen mit hohen Steuern gründet kann als mittelständische Firma, die gerade noch wenig Gewinne hat und investiert viel günstiger fahren.
Weil viele Steuerhöllen mit hohen Steuern für Firmen bei denen große Gewinne erwirtschaftet werden und mit hohen Steuern für Großverdiener und Millionäre für kleinere, geringere Gewinne viel niedrigere Steuern haben. So ist Zürich der bessere Standort als Zug für jemanden, der nicht gleich mit Millionen-Gewinnen durchstartet.
Kantone mit Mindeststeuern ggfs. meiden
Manche Kantone wie zum Beispiel das Steuerparadies Appenzell-Außerrhoden haben Mindeststeuern von 1.000 Franken oder mehr. Eine Firma, die gar keine Gewinne oder gar noch Verluste macht weil sie gerade erst am Starten ist, muß trotzdem 1.000 Franken berappen.
Das heißt, wenn Sie gerade schon Millionen scheffeln und gute Gewinne haben, stört sie all dies nicht, denn die Steuern sind eh höher als solch eine Mindeststeuer. Sie können gut und gerne in ZG oder in AR gründen.
Aber wenn Sie zum Beispiel gerade erst als Tochter oder Schwester Ihres deutschen Geschäfts eine GmbH in der Schweiz einrichten und noch gar nicht wissen, wie die ersten Geschäftsjahre laufen ist es finanziell tödlich 1.000 Franken Mindeststeuer, noch 2.000 für einen überteuerten Notar und dann noch teuerste Domizilgebühren oder Treuhandkosten am Hals zu haben, denn all das läppert sich in der Schweiz schneller als man denkt.
Die richtige Rechtsform wählen
Auch die Wahl der Rechtsform ist so eine Sache. Sie steht ganz am Anfang.
Bei einer AG sind die Eigentümer, die Aktionäre, nicht öffentlich im Handelsregister aufgeführt. Sie brauchen mindestens einen Verwaltungsrat der Schweizer Wohnsitz hat.
Bei einer GmbH kann jeder öffentlich mit einem Mausklick im Zefix (www.ZeFix.ch) sehen, wer die Eigentümer sind. Mindestens ein Geschäftsführer muß Wohnsitz in der Schweiz haben.
Die richtigen Ansprechpartner haben
Gut ist es, vor Ort oder von Deutschland aus Ansprechpartner zu haben. Anbieter wie unter www.firmengruendung-schweiz.info zu sehen kümmern sich auch gleich um Versicherungsfragen (sofern jemand in die Schweiz auswandern will ist zum Beispiel Krankenversicherung Pflicht) oder um Eröffnung von Bankkonten, was wiederrum bequem ist für jemand, der ohnedies von Deutschland aus agiert und in der Schweiz eine Tochtergesellschaft oder separate Gesellschaft etablieren möchte.