Remo Maßat Birgit Kelle ging das Risiko ein mit den Moralkeulen der politisch korrekten GeschlechtsgenossInnen und von EmanzerIchen erschlagen zu werden (Jutta Dithfurth läßt grüßen).
Doch innert kürzester Zeit wurde ihre Kolummne zum himmeltraurigen Thema Laura Himmelreich / Brüderle / Seximus / Stern zu einer über 150.000mal in den sozialen Medien wiedergegebenen Sache. Auch ich gab sie damals bzw. vor einigen Tagen wieder, weil sie mir aus der Seele sprach.

Es gibt nur zwei Beiträge in deutschsprachigen Seiten, die die 100.000er-Marke letztes Jahr durchbrachen. Vor diesem Hintergrund ist es doch Anlaß genug, sich auch mit dem zu gefassen, was Kelle in einem Nachtrag zu dem so erfolgreichen Beitrag in Form einer Kolummne sagt bzw. schreibt (kursiv):
Warum hat es bei diesem Thema eigentlich erst so einen Anstoß-Artikel gebraucht, damit sich die Gegenmeinung zum Aufschrei wie ein Dammbruch im Netz artikuliert? Es ist diese Frage, die mich noch viel mehr beschäftigt. Belegt sie doch offensichtlich das Problem, daß es in Deutschlands politischem Alltags-Diskurs Meinungen gibt, die als Tabu gelten. Die in den Mainstream-Medien nicht zu Wort kommen, selbst wenn ein ganzes Land gerade diskutiert. Aus Angst. Aus Unsicherheit. Weil es schlecht für die Karriere sein kann, sich gegen den Mainstream zu stellen.
Die „Political Correctness“ hat sich wie Mehltau über den normalen demokratischen Austausch gelegt. Man muß ja nicht jede Meinung teilen, geschweige denn gutheißen. Aber man muß doch darüber reden dürfen. Wer Toleranz fordert, muß sie auch selber aufbringen. Im besten Sinne nach Voltaire: „Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können.“ Was für ein großartiger Satz! Ja, ich begreife gerade seit vergangener Woche, wie recht Elisabeth Nölle-Neumann mit ihrer Theorie von der Schweigespirale hatte. Wer glaubt, auf der Verliererseite zu stehen, hält lieber den Mund.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich selbst diese Erfahrung mache, öffentlich angegriffen zu werden, im Hintergrund aber massenhaft Unterstützung erfahre. Oft reicht ein Reizwort, und die Berufsempörten sind zur Stelle. Zweifeln Sie mal am menschgemachten Klimawandel. Argumentieren Sie mal sehr sachlich gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Oder zitieren Sie in einer Gesprächsrunde im Fernsehen mal ganz wertfrei Thilo Sarrazin.
Dann lernen Sie die Medienmaschinerie und auch viele ihrer Mitmenschen mal ganz anders kennen.