Aktuell gibt es einen lesenswerten Offenen Brief von André F. Lichtschlag im Magazin „eigentümlich frei„:

Offener Brief: Lieber Kollege im Mainstream

Kinder und Mutter ohne Vater Richard Nieuwenhuizen (Bildschirmfotoausriß: Der Standard)
Kinder und Mutter ohne Vater Richard Nieuwenhuizen (Bildschirmfotoausriß: Der Standard)

In Erinnerung an Richard Nieuwenhuizen

Ich bin sicher, der entsetzliche Tod des mit unzähligen, erbarmungslosen Tritten gegen den Kopf malträtierten holländischen Linienrichters Richard Nieuwenhuizen ging auch Dir nahe.

Alle Eure Blätter und Sender haben berichtet. Die Täter beschreibt Ihr als „drei Jugendliche“ oder „drei junge holländische Amateurfußballer“. Das Problem seht Ihr in der „zunehmenden Gewalt im Fußball“.

Daß die Täter – wieder einmal – Söhne marokkanische Einwanderer waren, verschweigt Ihr. Die Kommentarbereiche im Internet unter Euren Artikeln habt ihr geschlossen.

Obwohl Ihr Euch dort sonst freiwillig beschimpfen laßt, um durch erhöhte Klickraten wenigstens noch ein paar Banner neben den Umsonst-Artikeln zu verscherbeln, die euch kaum einer mehr abkaufen will. Aber gegenüber dem geschundenen Richard Nieuwenhuizen, das wißt Ihr, ist Eure Lüge so unverfroren, daß Ihr hier leider keine Widerworte gestatten könnt.

Vor allem ist Eure Heuchelei in diesem grausam-einfachen Fall für jeden viel leichter erkennbar als in komplizierteren Zusammenhängen. Eure Artikel über den Tod von Richard Nieuwenhuizen, der übrigens eine Ehefrau und drei Kinder zurückläßt, sind auch Dir sicher peinlich. „Das hat mit Sport nichts mehr zu tun“, zitiert Ihr andächtig lauschend wie einst Ernst Dieter Lueg die holländische Sportministerin. Na, wer hätte das gedacht?

Ein Leck im System gibt es dann aber wie so oft dennoch. Als einzige Zeitung Deutschlands nennt der doch eigentlich brav linksliberale „Tagesspiegel“ die wirklichen Hintergründe der „Jugendlichen“:

„Nach einem Bericht des Innenministeriums vom November 2011 wurden 40 Prozent aller marokkanischen Einwanderer im Alter zwischen 12 und 24 Jahren innerhalb der letzten fünf Jahre wegen Verbrechen in den Niederlanden verhaftet, verurteilt oder angeklagt. In Stadtvierteln mit mehrheitlich marokkanischstämmigen Einwohnern erreiche die Jugendkriminalität bereits 50 Prozent.“ Wirklich ein Problem zunehmender Gewalt im Fußball?

weiterlesen

Ich konnte es erst nicht glauben, was Lichtschlag schreibt, doch es ist – mit zwei Ausnahmen – tatsächlich genauso.

Dazu, was der Autor André F. Lichtschlag meint:

Qualitätsjournalismus im TagesAnzeiger

Qualitätsjournalismus im Bund

Qualitätsjournalismus in der NZZ

Allerdings in der NZZ gibt es später doch einen Beitrag, der tiefergehend ist und das Thema Integrationsprobleme zumindest anschneidet: NZZ

Qualitätsjournalistmus im March-Anzeiger

Qualitätsjournalistmus in den Freiburger Nachrichten

Qualitätsjournalismus in der Luzerner Zeitung

Qualitätsjournalismus in der Basler Zeitung (BAZ)

Qualitätsjournalismus natürlich auch im Schweizer Fernsehen SRF

Qualitätsjournalismus auch beim Staatsanbieter Swisscom

Und Qualitätsjournalismus natürlich auch bei 20Min (Tamedia)

Positive Ausnahme tatsächlich – einmal mehr – im Blick.

Die Anti-Baz-Presse Tageswoche dreht die Spieß sogar um. Die holländische Gesellschaft trägt hier die Schuld, so Autor Bertram Job: Tageswoche

In manchen Zeiten wäre es besser gewesen, Leute hätten die Bücher, die sie Bücherverbrennungen zum Opfer warfen, gelesen anstatt sie zu verbrennen. Und heute? Vielleicht gibt es den ein oder anderen Journalist, der sich einmal den Beitrag von André F. Lichtschlag ansieht und die darin enthaltenen Fragestellungen liest.

Anstatt solch mißliebige Autoren zu schmähen.

Das wäre doch mal ein Lichtblick.

Claaß Dreymuth