Während unter Blocher die Asylzahlen sanken, stiegen unter der Ägide Eveline Widmer-Schlumpf die Asylzahlen in der Schweiz stark. Erst jüngst kritisierte der neue Chef des Bundesamtes für Migration die Asylpraxis der Schweiz, kündigte zugleich aber auch an, daß mit raschen Änderungen nicht gerechnet werden dürfe.

Er sah sich im Anschluß an seine Tatsachen-Äußerungen prompt Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Dabei ist festzuhalten, daß der Leiter des Bundesamtes für Migration ein Linker ist, der sich persönlich über Jahre für Ausländer tatkräftig eingesetzt hat.
Nach mehrjähriger Tätigkeit als IKRK-Delegierter u. a. in verschiedenen afrikanischen Staaten und in Ex-Jugoslawien war er während sechs Jahren als Direktor der Pro Infirmis tätig, bevor er am 1. Januar 2005 als Vizedirektor und Leiter Invalidenversicherung ins Bundesamt für Sozialversicherung wechselte.
Der Kanton Graubünden verfügt in seinen eigenen bzw. angemieteten Kollektivunterkünften derzeit über 485 Plätze für die Unterbringung von Asylsuchenden und vorläufig aufgenommenen Personen.
Mit der geplanten Inbetriebnahme des neuen Asyl-Transitzentrums «Rheinkrone» in Cazis und der angemieteten Unterkunft «Landhaus» in Davos-Laret erhöht sich die Unterbringungskapazität bis ins Jahr 2012 auf vorübergehend 705 Betten.
Durch die infolge Mietablaufs im Jahre 2012 zur gleichen Zeit notwendige Rückgabe der Transitzentren «Schiabach» in Davos und «Bergwald» auf der Lenzerheide mit insgesamt 170 Betten reduziert sich die Gesamtkapazität allerdings wiederum auf 535 Plätze.
In Realta (Gmd. Cazis) selbst werden 100 Betten eingerichtet im Gebäude der ehemaligen Rheinkrone. Dies entspricht damit an die 20 % aller Asylsuchenden aus dem gesamten Kanton Graubünden, die neu in der Gemeinde Cazis untergebracht werden (18,7 %).
In das neue Asylzentrum in Cazis werden in einem ersten Schritt 1,8 Millionen Franken Steuergelder investiert (1,6 Mio Kaufpreis und 200.000 Franken Umbaukosten).
In der Nähe: Gefängnis Realta und Klinik Beverin
Für kriminelle Asylsuchende, die es leider in der Schweiz aufgrund der fehlgeleiteten Asylpraktik zuhauf gibt, hat es gleich die passende Umgebung. In der unmittelbaren Nähe zum Asylzentrum Cazis befindet sich nicht nur die Justizvollzugsanstalt Realta, in der auch viele Drogenabhängige einsitzen, sondern auch die Psychiatrischen Dienste Graubünden (Klinik Beverin), in der unter anderem Suchkranke behandelt werden. Es bleibt wohl nur die sarkastische Tatsachenfeststellung: Potentielle Abnehmer sind also in greifbarer Nähe.
Ob das eine günstige Nachbarschaft ist, das darf bezweifelt werden. Ob es wirklich ein guter Entscheid ist, in Cazis ausgerechnet in der der Nähe von JVA Realta und der Psychiatrischen Klinik Beverin ein Asyl-Transitzentrum einzurichten?
Kritik auch von linker Seite: Neues Asyl-„Ghetto“?
Doch nicht nur Bürgerlichen sträuben sich die Nackenhaare. Selbst von linker Seite kommt harsche Kritik.
So schreibt etwa Gustav Ott-Wüthrich vom „Verein Hilfe für Asyl Suchende“ in Chur und zugleich im Vorstand der SP Domat Ems in einem Leserbrief in der Südostschweiz vom 21. April 2010:
„Wiederum klammheimlich, wie damals in Valzeina, hat der Kanton Graubünden im Oktober in Unterrealta eine ansonsten kaum verkäufliche Altliegenschaft erworben und legt dem Großen Rat nun eine Botschaft zum Umbau und Betrieb eines Asyl-Transitzentrums vor.“
Ott-Wüthrich kritisiert die Ghettoisierung: „Das kantonale Konzept, alle Asylbewerber in Kollektivunterkünften unterzbringen bringt vielleicht Vorteile finanzieller Art, bedeutet aber für die Menschen, insbesondere für Familien einen enormen Streß. Die Menschen leben dichtgedrängt und haben keine sinnvolle Beschäftigung.“
Weiter schreibt er: „Der Kanton verfügt über genügend Kollektivunterkünfte in Chur, Schluein, Lenzerheide, Davos und Valzeina. Falls auch wieder einige Wohnungen angemietet werden, besteht kein Bedarf für neue Zentren, vor allen Dingen nicht dort, wo sie zu eigentlichen Asylghettos werden sollen.“
Ott-Wüthrich vom Verein „Hilfe für Asyl Suchende“ fordert, daß der Große Rat daher in der Juni-Session den Umbau- und Betriebskredit für die Liegenschaft in Unterrealta nicht bewilligen solle und damit ein Zeichen für eine bessere Unterbringungspolitik setzen solle.