Die (völlig zahnlose) schweizer Melde-und Analysestelle Informationssicherung MELANI beleuchtet in ihrem aktuellen Bericht die kriminellen Internetaktivitäten im zweiten Halbjahr 2009, berichtet Poliezibericht.ch.

Schwerpunkte bilden der Datendiebstahl weltweit, das politisch motivierte Häcken sowie Erpressungen durch DDos-Attacken.

Der Leistungsausweis der Melani ist mager: Bisher ist erschreckenderweise noch nicht ein einziger Fall bekannt, in denen Internetkriminelle aufgrund der Melani gefaßt werden konnten.

Die Internetkriminalität hat verschiedene Facetten. Vom Datendiebstahl, um daraus Profit zu

Datendiebstahl (Archivbild: Kapo BL) - Deutschland wurde als ehemaliger Rechtsstaat zum Hehler für Datendiebe

schlagen, bis hin zum Häcken von Webseiten, um politischen Auffassung auf äußerst aggressive Art und Weise  freien Lauf zu lassen. Betroffen sind Firmen, Verwaltungen sowie politische Parteien. Auch die Bundesverwaltung, namentlich das EDA, das als einziges Departement den Mitarbeitern das Surfen im Internet erlaubt, ist nicht verschont geblieben.

Informationsdiebstahl – Angriffe auf Verwaltungen, EU, Google und Banken

Im zweiten Halbjahr 2009 wurden immer wieder Vorfälle bekannt, bei denen mit Hilfe von Schadprogrammen, auf Denglische sogenannte „mal ware“ (sprich „mäilwäihr“, dies heißt zu deutsch nichts anderes als Schadprogramm, klingt viel wichtigtuerischer), auf fremde EDV-Systeme zugegriffen und Daten entwendet wurden.

Die Daten wurden anschließend entweder zum Kauf (Kundenkonto-Daten bzw. Daten-CDs mit Bankkunden-Daten) angeboten, den Medien zugespielt oder für andere Zwecke mißbraucht.

Prominente Fälle waren die Angriffe auf das Generalsekretariat der EU, die Bankkundendaten der Bank HSBC und Google.

Betroffen war auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Dieses wurde Mitte Oktober 2009 Opfer eines gezielten Häckerangriffs.

Neue Erscheinung: Äußerst aggressives politisch motiviertes Häcking

Immer häufiger wird das Internet auch als Ventil für politische, sportliche oder religiöse Proteste mißbraucht. Dabei werden die Webseiten der betroffenen Organisationen gehäckt, verunstaltet und mit politischen oder religiösen Aussagen versehen.

Ein äußerst aggressives Beispiel war in der Schweiz im Nachgang der mit großer Mehrheit angenommenen Abstimmung zur Minarettbauverbotsinitiative zu verzeichnen.

Dabei wurden tausende von Webseiten gehäckt, berichtet die Melani. Weil zahlreiche Leute aufgrund der bekannten „Zahnlosigkeit“ der Meldestelle soetwas nicht einmal mehr melden, dürfte die Zahl vermutlich sehr viel höher liegen. Auch ein Teil (zk. 600 Seiten) der Webseiten von Chamäleon Media GmbH, dem Betreiber der Internetzeitung Polizeibericht.ch, waren von den Häckerattacken betroffen. Auf den betroffenen Seiten erschienen z. B. Bilder ein heulender grauer Wolf, Botschaften in arabischer Schrift und es kam im Hintergrund arabische Musik.

Eine Sicherheitslücke war hierbei im nicht-erfolgten Aktualisieren auf eine neue Version eines Inhaltsverwaltungssystems zurückzuführen, das für zahlreiche statische Info-Seiten benutzt wurde bzw. wird. Daher waren die Häckerattacken kein Kunststück, sondern es wurde eine im Internet seit längerem bekannte Sicherheitslücke einfach mit einer enormen kriminellen Energie ausgenutzt.

Erpressung durch DDos-Attacken

DDos-Angriffe gegen Firmen und Regierungen verfolgen verschiedenste Absichten. Bei DDos-Attacken wird die Website des Opfers von tausenden von Rechnern gleichzeitig angesteuert und damit lahmgelegt. Die Täter versuchen dadurch entweder, Geld zu erpressen oder eine Handlung zu erzwingen.

Mit der letztjährigen DDos-Attacke gegen die Swisscom wollte die Täterschaft erreichen, daß Internet-Anbieter aus der Erotikbranche vom Netz genommen würden.

Informationsschutz an oberster Stelle

Der Schutz von persönlichen und vertraulichen Daten ist enorm wichtig. Die besten Maßnahmen, um sich vor internetkriminellen Angriffen zu schützen, sind und bleiben die Aktualisierung der Systeme durch regelmäßige Aktualisierungen (vgl. oben) sowie die Sensibilisierung der PC-Nutzer. Hätte Chamäleon Media GmbH z. B. einen externen Mitarbeiter, der damals für die Verwaltung der Inhaltsverwaltungssysteme der von der Häckerattacke betroffenen Systeme gehabt, der sich um die Aktualisierung in verantwortungsvoller Art und Weise gekümmert hätte, wäre so eine Häckerattacke niemals möglich gewesen.