
Es ist selten, daß eine Privatperson vor einem Gericht rund 2,5 Milliarden Franken (1.9 Mio. Euro) einklagt.
Es handelt sich hierbei um Madleine Schickedanz. Der eigene Anwalt hat jedoch gemäß Spiegel Zweifel an der Seriösität der Klage. Es soll sich aber angeblich um eine früherer Vereinbarung handeln bei dem Dokument, in dem er an dem Erfolg der Klage zweifelt.
Die Quelle-Erbin hat Klage beim Landgericht eingereicht, unter anderem gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim (heute der Deutschen ank zugehörig) und gegen den Immobilienaufsteiger Josef Esch. Dieser weist im Spiegel jegliche Schuld von sich. Ganz anders klingt es in der linksintellektuellen Zeit.
Auch Thomas Middelhoff, der sich für seinen Antritt bei Karstadt-Quelle eine Provision von 300 Millionen Euro zusichern ließ und als Verwalter des Konzerns später den Konkurs zu verantworten hatte.
Die Zeitschrift Forbes schätzte ihr Vermögen im Jahr 2008 auf 3,9 Milliarden US-Dollar womit sie zu den reichsten Deutschen gehörte.
Nach dem Zusammenbruch von der aus Quelle hervorgegangen Arcandor AG in Deutschland äußerte Schickedanz öffentlich in der Bildzeitung: „Wenn die Rettung von Arcandor scheitert und die Banken die Kredite fällig stellen, verliere ich alles – Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen. Ich bekäme mit meinen 66 Jahren noch nicht einmal Rente. …/… Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Diskonter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten.“
Schickedanz pumpte immer frisches Geld in den Handelskonzern Arcandor (ehemals Karstadt-Quelle) und verlor unter Beteiligung des Bankhauses Sal. Oppenheim beim Zusammenbruch des Konzerns praktisch ihr gesamtes Vermögen. Sal. Oppenheim verlor auch, und zwar seine Selbstständigkeit. Die uralte deutsche Privatbank gehört nun der Deutschen Bank.

Der Spiegel berichtet über Madleine Schickedanz und ihren Lebensstil wenig schmeichelhaft: „In den Akten eines Rechtsstreits zwischen der Quelle-Erbin und ihren ehemaligen Geschäftspartnern um das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, der vom 18. Dezember an vor dem Landgericht Köln verhandelt werden soll, findet sich eine „Liquiditätsvorausschau“ der Schickedanz-Vermögensverwaltung für das Jahr 2005. Sie belegt, was Frau Schickedanz zum täglichen Leben für notwendig hielt. 410 000 Euro sind dort für „Hauspersonal“ veranschlagt. Die Kosten der Schickedanz-Villa in Fürth-Dambach werden mit 900 000 Euro beziffert. Allein der „Gärtner“ kostete 204 000 Euro, 180 000 waren für „Energie/Grundsteuer/Müll/ Kanal/Wasser“ fällig. Dagegen schien die „Villa Greta“ in Spanien mit 500 000 Euro pro Jahr beinahe billig. Die Immobilien am Tegernsee und in St. Moritz kosteten gar nur 100 000 Euro jährlich.“
In der Schweiz wurde Schickedanz bekannt, als sie die Immobilien in St. Moritz verkaufte oder verkaufen mußte.
Jahrzehntelang hat die Tochter des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz und seiner zweiten Frau Grete ein Leben geführt als Milliardärin. Drei Ehen. Mitglied des Jetset – mit Villen im Nobel-Skiort St. Moritz und zahlreichen anderen Orten.
Madeleine Schickedanz war die Frau hinter dem Quelle-Konzern. Sie lebte zurückgezogen, man weiß wenig über sie. Und die Experten streiten sich über ihre Rolle beim Untergang von Arcandor.
Autorin Anja Kummerow, geboren 1970, ist seit 1996 Wirtschaftsredakteurin der Nürnberger Zeitung. Sie geht in einem Buch der Frage nach: Wer ist diese Frau?
Und: Welchen Anteil hat eine der ehemals reichsten Frauen Deutschlands sie an der Pleite von Arcandor oder nicht?
Die Marke Quelle wurde übrigens verkauft und ist weiterhin im Versandhandel tätig, im Internetversand-Geschäft. Allerdings hat die heutige Quelle nichts mit der alten zu tun. Zumindest nicht mit der, als die Firma Karstadt schluckte, sich umbenannte in Arcandor und dann ins Straucheln geriet. Verkauft wurde nach dem Zusammenbruch die erfolgreiche Versandhaus-Marke eines Versandgeschäftes, welches immerhin viele viele Jahrzehnte lang ein Begriff für Qualität und Pünktlichkeit war. Und nun wieder ist.