… und sich mit Problemen in der Welt befassen, täten gut daran, erst einmal vor der eigenen Haustüre zu schauen. Und dort zu kehren.
Doch oft befaßt man sich lieber mit Gutes-tun, das weit weg ist. Als Alibi-Handlung für all das, was im eigenen Leben nicht in Ordnung ist.

Erstsemester-Studenten der Psychologie lernen dazu:
„Alibihandlung: Defensivstrategie zur Aufrechterhaltung von Sorglosigkeit; dazu zählen Handlungen, die zur Gewissensberuhigung dienen.“
Man schaut also bei direktem Leid / Unrecht /Lügen usw. usf. vor der eigenen Hautüre bewußt weg. Und schweift dafür in die Ferne.
Weil es leichter ist, sich mit Dingen zu befassen, die weit weg sind als Dinge anzugehen, die ganz nahe sind und das eigene Leben direkt betreffen.
Man befaßt sich also mit Problemen, die weit weg sind und die einen persönlich nicht direkt berühren können und lenkt damit ab, was man eigentlich vor der eigenen Haustüre – wo auch immer diese sich gerade tatsächlich befindet – sprich im eigenen Leben alles in Ordnung zu bringen hätte.
Lieber spricht man über ferne Probleme in der Welt als mit Leuten in der Nähe zu sprechen, die einen direkt betreffen. Während man den direkten Dingen ausweicht, befaßt man sich mit anonymen Sachen, die einen nicht direkt in dieser Form betreffen, sondern eine anonyme Masse von Menschen in der Ferne.
Für Alibihandlungen muß man nicht in die weite Ferne schweifen
Wobei es bei solchen Alibihandlungen nicht einmal ins ferne Ausland gehen muß. Denn es muß nicht zwingend sein, daß man sich mit Problemen in der Ferne befaßt bei Alibihandlungen, sondern es können auch Dinge in der Nähe sein, die als Alibihandlung dienen.
Es gibt zum Beispiel auch Menschen, die in der Weihnachtszeit lieber einem ihnen unbekannten Bettler in einer Fußgängerzone Geld hinwerfen würden, als sich mit jemanden zu befassen aus dem eigenen Umfeld, der einen direkt betrifft.
Alibihandlungen treten an Weihnachten besonders offensichtlich hervor
Besonders an Weihnachten zeigt sich – auch bei Spenden in alle Welt – die Doppelzüngigkeit bei diesen Alibihandlungen. Wenn Milliarden weltweit an mildtätige Organisationen gespendet werden, bei denen dann in vielen Fällen sogar 80% oder mehr an Verwaltungskosten der oder zumindest der Großteil an Verwaltungskosten draufgehen. (abgesehen davon, daß sämtliche Studien belegen, daß Entwicklungshilfe schadet und viele afrikanische Philosophen appellieren, damit aufzuhören. Aber das ist ein anderes Thema).
Man sollte sich also überlegen, bevor man Alibihandlungen vornimmt (welcher Art auch immer), ob man nicht Gutes tun kann, indem man die naheliegenden Sachen angeht, die einen selbst betreffen. Unabhängig davon: Ich würde wenn überhaupt lieber einem Verein oder einer privaten Hilfsorganisation etwas spenden, die vor Ort ist und die ich kenne.