Während in der Schweiz inzwischen die durch die mißlungene und immer noch von der demokratischen Mehrheit abgelehnten (!) Rechtschreform eigenständig via Schweizer Orthographische Konferenz (siehe www.SOK.ch) angegangen wird, hält man in Deutschland selbst widersinnigen Regelungen (zB „Strom sparend“ aber „energiesparend“) weiterhin verkrampft die Stange.

Die Torgauer Zeitung hat einen lesenswerten Artikel zur Rechtschreibreform verfaßt (kursiv):
Vor sechs Jahren wurde die Rechtschreibung das letzte Mal geändert. Jetzt beginnt das neue Schuljahr und die reformierte Rechtschreibung sorgt noch immer für Probleme.
Von Politikern als leicht erlernbar gelobt, doch nicht alle Regeländerungen werden von den Torgauern als nachvollziehbar empfunden. Man stellt sich sogar die Frage nach dem Sinn der Rechtschreibreform.
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Im Buchhandel sind die Regeländerungen rund um die Rechtschreibung auch nach so vielen Jahren noch immer ein aktuelles Thema.
„Unsere Kunden klagen, daß sie die oft geänderte deutsche Rechtschreibung als schwierig empfinden. Viele wissen gar nicht mehr, wie ein Wort richtig geschrieben wird, und sind verunsichert“, so Josefine Wendt, Buchhändlerin am Torgauer Markt.
Auch sie hat die Rechtschreibung vor 1996 erlernt und empfindet die mehrfachen Änderungen als kompliziert „Für mich ist das Thema Rechtschreibreform ziemlich verwirrend. Ich habe viele Sachen in der Schule ganz anders gelernt. Schreibe ich so, wie ich es gelernt habe, heißt es plötzlich, das sei falsch“, erklärt die 22jährige.
Weiterführende Verweise
Die Rechtschreibreform frißt ihre Kinder
Umfragen: Wie Hundekot am Schuh – etwa so beliebt ist die Rechtschreibreform seit ihrer Einführung
Die „widersinnige Regelung “Strom sparend” aber “energiesparend”“ gibts nicht – es ist in beiden Fällen beides regelkonform. Widersprüchlich sind nur die hier zitierten Duden-Empfehlungen.
Grüezi, Herr Goldstein,
leider irren Sie. Diese widersinnige Regelung gibt es leider tatsächlich. Ich zitiere Peter E. Müller (damals Chef der SDA, Schweizerische Depechenagentur):
Frage DRS: Der deutsche Sprachpapst Wolf Schneider hat mal gesagt, der Duden habe kapituliert.
Sagen Sie das auch?
Peter E. Müller: Ja, das kann man sicher so sagen. Wie gesagt, die Aufgabe der Rechtschreibung ist es, Varianten einzudämmen. Wenn es eh egal ist, wie man etwas schreibt, braucht man keine Rechtschreibung.
Und mit der Variantenflut, die jetzt besteht, kann man sagen, ja, der Duden hat kapituliert.
Er gibt zwar Empfehlungen ab, bei jeder Variante gibt er eine Empfehlung ab. Aber auch die sind inkonsistent. Ein Beispiel: energiesparend wird in einem Wort empfohlen, und Strom sparend wird in zwei Wörtern empfohlen – das ist einfach unbrauchbar.
Quelle: DRS4news.ch/
Es kann allerdings ohne weiteres sein, daß das inzwischen vom Duden schon wieder schamvoll abgeändert wurde. Die Rechtschreibung ändert sich ja dank den zahllosen Rechtschreibreformen bzw. Reformen der Rechtschreibreformen gegenwärtig schneller als der Wind sich dreht.
Die jüngste Umfrage in Deutschland (Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus) ergab denn auch, daß die – nebenbeibemerkt völlig undemokratisch eingeführte – Rechtschreibreform auch im Jahr 2011 weiterhin von zwei Dritteln der Bevölkerung abgelehnt wird.