Das Land Schweiz ist klein. Die Schweizer bekannt für ihre Zurückhaltung, Bodenständigkeit und Bescheidenheit.

Doch nicht nur das Land ist klein, auch innerhalb der Schweiz ist vieles kleiner und graziler.

Wer einmal in Hamburg einen Kaffee bestellt hat, nachdem er etwa gerade mit dem Zug aus der Schweiz kam, der weiß, daß der „Pott“, den er in Deutschland als Kaffee bekommt, um Welten größer ist als eine Tasse Kaffee in der Schweiz.

Nicolas Schordert vom "Office des vins vaudois" (Foto): Ist er geldgierig, weil er Schweizer Tradition nicht auf dem Altar des EU-Norm-Wahns opfern möchte? So behauptet es ein vom Blick aus dem Hut gezauberter "Weinkenner" namens Hans Georg Babits
Sind Leute wie Gilles Cornut oder Nicolas Schordert vom "Office des vins vaudois" (Foto) einfach bloß geldgierig, weil sie Schweizer Wein-Tradition nicht auf dem Altar des EU-Norm-Wahns opfern wollen? So behauptet es ein vom Blick a. A. genannter "Weinkenner" namens Hans Georg Babits

In den Bergen lassen sich keine zweispurigen Bahnstrecken bauen, nicht nur die RhB (Rhätische Bahn) fährt auf schmaleren Schienen als die EU-Norm es vorschreibt. (und obwohl zweigleisige Strecken nicht möglich sind, sind die Schweizer Bahnen, die noch dazu den ganzen Transitverkehr bewältigen und koordinieren müssen, erstklassig in punkto Pünktlichkeit, völlig anders als in den EU-Ländern Deutschland, Frankreich oder Italien. Die Schweizer sind Weltmeister im Zugfahren, denn hier macht das Zugfahren Freude)

Stecker von Elektrogeräten sind in der Schweiz kleiner als die monströsen EU-Stecker.

Die Normmaße von Werbeplakaten sind kleiner.

Auch Türenmaße sind anders (kleiner) als in der EU.

Die Schweizer Küche hat für Kücheneinrichtungen die Norm 55 Zm. Die EU-Norm ist 60 Zm.

Oft werden in der Schweiz beide Maße angeboten. In Schweizer Norm und in Euro-Norm. Der Verbraucher darf wählen.

Nicht so bei den Größen von Weinflaschen, wenn es nach dem Willen der EU-Bürokraten geht

Bestellt man einen Wein, so fragt die Bedienung in der Schweiz: 1 Dezi oder 2 Dezi. In Deutschland würde weder für 1 noch für 2 Dezi eine Bedienung überhaupt an den Tisch kommen. Das Viertele ist das Minimum, was der Weintrinker bestellen muß.

Zuviel Wein getrunken, als er daß von sich ließ? Der völlig unbekannte "Weinexperte" Hans Georg Babits darf im Blick schwadronieren und gibt wildeste Anschuldigungen gegen die Schweizer Winzer von sich (Fotoausriß: Blick-Artikel zum EU-Weinflaschen-Streit)
Zuviel Wein getrunken, als er daß von sich ließ? Oder nur einfach wenig zimperlich im brutalen Beschuldigen: Der kaum bekannte "Weinexperte" Hans Georg Babits darf im Blick schwadronieren und gibt wildeste und zutiefst bösartige Unterstellungen gegen die Schweizer Winzer von sich (Fotoausriß: Blick-Artikel zum EU-Weinflaschen-Streit)

In der Schweiz sehr verbreitet sind auch kleinere Weinflaschen, die ein Deutscher in Deutschland wohl in vielen Fällen achselzuckend im Regal stehen lassen würde, wären sie in Deutschland erhältlich.

Die EU will nun diese Weinflaschen verbieten bzw. Normen.

Der Blick am Abend läßt einen angeblichen Weinexperten namens Hans Georg Babit (von dem selbst Weinkenner wohl noch nie gehört haben dürften, zu Wort kommen, welcher abenteuerliche Thesen verbreitet. Unter anderem diese, daß es den Winzern in der Schweiz gar nicht um Tradition gehe, sondern daß diese einfach profitgierig sein und ein halbes Dezi Wein sparen möchten.

Der Blick berichtet (kursiv):

Für seinen Wein kennt Gilles Cornut vor allem ein Maß: «Die 7-Deziliter-Flasche soll nicht verschwinden», fordert der Präsident der Branchenorganisation der Waadtländer Winzer.

Doch genau dieser Flasche geht es jetzt an den Kragen: Die EU läßt nämlich nur noch 7,5-dl-Flaschen zu. Der Bund klärt zurzeit ab, ob die 7-dl-Flaschen hierzulande weiterhin verkauft werden dürfen oder nicht.

Der Bund hat also keine anderen Sorgen, als abzuklären, ob die EU bestimmte Flaschengrößen in der Schweiz verbieten darf. Was für Flaschen sitzen eigentlich in Bern, fragt man sich, daß auch hier abermals ein Bückling gemacht wird.

Die tolle - und auch allein schon optisch äußerst ansprechende (!) - Webpräsenz des vom Blick am Abend aus dem Hut gezauberten Weinexperten Hans Georg Babits
Die tolle - und auch allein schon optisch äußerst ansprechende (!) - Webpräsenz des vom Blick am Abend aus dem Hut gezauberten Weinexperten Hans Georg Babits. (Bildschirmfotoausriß: BabitsWein.ch)

So gut wie täglich gibt es Bücklinge, ob es nun wegen völlig unsinnigen und in der EU massivst umstrittenen EU-Glühbirnen-Verboten ist oder wegen dem Bankgeheimnis.

Man sollte den EU-Turbos vom Bund einmal Knieschoner kaufen, wenn sie sogerne knien. Und nicht ausgemachte Flaschen zu Wort kommen lassen, wenn es um so ernsthafte Themen wie Export, Marketing oder Weintradition geht:

Der angebliche Weinexperte Babits weiß offenbar nicht einmal von einer Weintradition in Frankreich und schwadroniert, der EU-Normungsterror sei für die Schweiz sogar eine Chance:

«Die Schweiz hat eine große Weinbau-Tradition. Außer vielleicht noch in Italien ist der Genuß von Wein nirgends breiter abgestützt als in der Schweiz. Hier trinkt jeder und jede Wein. Diesen Wert müßte die Schweiz im Ausland mehr vermarkten, vor allem durch mehr Export. Und dazu braucht es halt einfach eine einheitliche Flaschen­größe.»

Also: Bierflaschen müßten laut Babits einheitlich sein, Weinflaschen auch usw. usf. Sonst funktioniert der Export nicht.

So ein ausgemachter Schwachsinn!

Im Gegenteil: Manche Traditionsmarken der Brauereien etwa verkaufen sich gerade wegen der besonderen Flaschen gut. Komisch, daß die EU Bierflaschen noch nicht genormt hat. In Schweizer Supermärkten gibt es jedenfalls massenhaft Biersorten aus dem EU-Ausland, deren Flaschen alles andere als gleich sind.

Ach so: „Weinexperte“ Hans Georg Babits hatte für den Blick noch eine ganz besondere Anekdote in der Tasche, als er sich für den EU-Norm-Wahn starkmachte:

Hans Georg Babits durfte sich schon mehrfach im Blick am Abend zu Wein äußern und wirbt damit auf seiner Webpräsenz (Bildschirmfotoausriß).
Hans Georg Babits durfte sich schon mehrfach im Blick am Abend zu Wein äußern und wirbt damit auf seiner Webpräsenz (Bildschirmfotoausriß).

„Stellen Sie sich vor, wie kompliziert es wäre, wenn man in Deutschland links, in der Schweiz rechts und in Österreich in der Mitte Auto fährt.“

Also läuft jetzt in England die Wirtschaft nicht mehr? Bekanntermaßen fahren da ja die Autos anders. Und wo Herr Georg Babits die dritte Fahrspur in der Mitte herhat? Vermutlich doch ein Glas Wein zuviel genosssen, bevor er das Gespräch führte.

Mit dem gleichen „Argument“, es würde zu kompliziert, könnte man auch fordern, daß die Weinsorten abgeschafft werden. Auch die Unterschiede Rotwein, Weißwein und Rosewein müßten schlußendlich weg.

Stellen Sie sich vor, wie kompliziert es wäre, wenn man zwischen Weißwein, Rotwein und Rosewein entscheiden können müßte.

Also in Zukunft alles normen. Einen neuen Einheitswein schaffen. Ganz passend zur Einheitsflasche, die der Herr Hans Georg Babits will.

Guter Geschmack? Nein danke!

Oder man könnte – wie kreativ – auch die verschiedenen Sprachen abschaffen. Und Englisch als Universalsprache einführen, statt diese ganzen einzelnen Kultursprachen, die ja ach so lästig sind.

Hans Georg Babits geht auf seiner eigenen Webseite da bereits mit gutem Beispiel voran. Kultur-Aufgeben scheint ihm zu liegen. Nicht nur die Aufgabe von Weinkultur, sondern auch von Sprachkultur.

Er schwelgt in Denglisch. Start heißt auf seiner Webpräsenz „home„, Anlässe heißen „events„. Im Lebenslauf gibt er an, er wäre einmal ein „F&B-Manager“, sprich „Eff-änd-Bieh-Mänätscher“, gewesen. Das heißt zu Deutsch einfach nur Wirtschaftsdirektor (gemäß Wikipedia), klingt aber auf Dengleutsch natürlich viel wichtiger.

Und auch unter seinen Referenzen finden sich etliche Dengländer, so etwa ein „cafe boy“, eine österreichische (nicht englische) Firma „wine partners“ (!) – und auch eine Versicherung: AXA Versicherungen AG, Event Marketing & Promotion oder ein Führerschaftsforum: Andreas Kaelin, Präsident Swiss IT Leadership Forum sind vertreten unter den Referenzen.