
Oft ist Grünen-Politiker Geri Müller als angeblicher Antisemit und Marxist Vorwürfen ausgesetzt. Nun wegen etwas anderem.
Ein paar Gedanken zur politischen Kultur und dem „Stil“ von Boulevard-Medien anläßlich der Selfie-Fotos bzw. der Nacktfoto-Affäre von Geri Müller, die wohl auch eine Medien-Affäre ist:
Der Grünen-Nationalrat soll seiner Ex-Geliebten per Whatsapp Nacktbilder von sich im Büro und anzügliche Nachrichten geschickt haben

Jonas Fricker, der Kantonalpräsident der Aargauer Grünen, sagte zur Nachrichtenagentur SDA zur Affäre Geri Müller
«Wenn dies alles stimmt, dann hat Geri Müller ein Problem.»
Fricker meinte außerdem, daß ihn die Geschichte nichts angehen würde, wenn sie privat wäre. Weil Müller aber vorgeworfen wird, Nacktbilder aus seinem Büro während der Arbeitszeit einer Bekannten geschickt zu haben, sei es «halt schon ein Thema».
Warum vorverurteilt ihn die eigene Kantonalsektion?

Abgesehen davon, daß es der Anstand geboten hätte, daß Jonas Fricker hier hätte sagen müssen, daß er sich noch nicht äußern kann, solange er mit Müller noch nicht selbst gesprochen habe, fragt sich, was Fricker mit dieser Unterscheidung sagen will?
Man kann ja von Geri Müller halten, was man will: Aber wo soll der große Unterschied sein, ob jemand privat oder als Politiker aus dem Büro heraus Nacktfotos bzw. sogenannte „Selfies“ schickt?
Gerade die Bürozeit ist ja die Zeit, mit der Menschen in der Regel – außer sie arbeiten bei der gleichen Firma oder sind beide Politiker und dazu noch in der gleichen Partei – nicht mit dem Partner zusammen ist.
Also kein Wunder, daß Müller sowas nicht in der Freizeit tat (sofern es stimmt) sondern während der Arbeitszeit.
Politiker kein Privatleben?
Ich finde es darüberhinaus äußerst unappetitlich und abstoßend, wie Boulevardzeitungen wie 20Minuten oder Blick intime Texte öffentlich machen. Auch, wenn jemand Politiker ist, hat er doch noch ein Privatleben bzw. ein kleines Recht auf ein winziges Privatleben.

Die genauen Wortlaute der Sex-Texte, die Müller seiner Freundin geschickt haben soll, tun überhaupt nichts zur Sache bzw. sind nicht von öffentlichem Interesse. Hier sollte der Presserat mal von sich aus aktiv werden. Aber wann tut er sowas schon?
Übrigens scheint auch ein Patrik Müller von der Hanspeter Lebruments Südostschweiz wenig auf grundlegende journalistische Prinzipien zu Wert zu legen (siehe Bildschirmfotoausriß). Ich frag mich, was wäre, wenn Lebrument als Präsident der Schweizer Medien aus seinem Büro heraus Selfies verschickt hätte und das publik geworden wäre. Ob dann auch Sextexte von ihm in der Südostschweiz zu lesen wären?
Und nun, am Sonntagnachmittag scheint das ganze eine Kehrtwende zu nehmen, die auch strafrechtliche Folgen für die Frau haben wird, sofern belegbar: Die Frau, mit der er in Kontakt gestanden sei, habe ihn seither massiv unter Druck gesetzt und damit gedroht, Privates an die Medien und Drittpersonen weiterzugeben, so Müller über seinen Anwalt.

Müller selbst schaltete Polizei ein
Müller schaltete zudem selbst die Polizei ein. Und zwar nach Selbstmorddrohungen der Frau.
Und kritisiert, daß er vertraut hat: „Ich muß mir heute vorwerfen, darauf vertraut zu haben, daß Privates privat bleiben würde.“ Weiter äußert er: „Mein Vertrauen wurde bitter enttäuscht und grob mißbraucht.“
Die Frau hingegen wirft Müller vor: Als die Affäre zu Ende war, habe er sie unter Druck gesetzt, den Sex-Chat zu löschen und das Natel abzugeben. Bei dem Verhalten der Frau, die ihre Drohung / Erpressung wahrgemacht hat, die Nacktfotos den Medien zuzuspielen, wohl ein berechtigtes Anliegen des Politikers.

„Üble Sache, Geri“
Besonders kraß finde ich persönlich, wie Leute seiner eigenen Kantonalpartei ihn medial vorverurteilen und bewußt ans Messer liefern. Etwa durch satirische, lästernd daherkommende Twittereinträge.
Wer solche Parteikollegen hat, braucht keine Feinde mehr.
In dieser Situation hätte sich die Kantonalpartei hinter Müller stellen müssen, bis feststeht, was wirklich ist. Und sagen müssen, daß man, soweit man jetzt Kenntnis hat, davon ausgeht, daß es sich um private Sachen handelt. Und das Privatleben auch bei Politikern Privatsache sei. Daher heiße es ja „Privat“-Leben.
Zudem wäre es wenigstens ein Leichtes gewesen, zu sagen, man äußere sich nicht, bevor man nicht mit dem medial Beschuldigten gesprochen habe.
Ein Ergebnis der Affäre um die Nackt-Selfies scheint jetzt schon festzustehen: Geri Müller hat Feinde in der eigenen Partei und dies sogar in der Kantonalpartei seines eigenen Kantons.
Jonas Fricker muß den Vergleich mit Widmer-Schlumpf wohl kaum noch scheuen. Sie wurde auch hochgelobt, bevor sie die Intrige startete, die schließlich in der Widmer-Schlumpf-Verschwörung mündete.
Damals spannte sie mit SP-Hämmerle zusammen. Vielleicht melden sich ja bald oder irgendwann (bei Gelegenheit…) Bürgerliche bei Fricker?
Man kann von der Sache Geri Müller halten, was man will: Aber egal, wie stark oder wenigerschlimm man sie bewertet: In so einer Situation braucht man keine eigenen Leute, die einem in den Rücken fallen und das Messer wetzen.
Mensch, mensch, mensch…
Remo Maßat