Bisher gab es im Thurgau drei Zeitungen: In der Region Arbon unterhielt das St. Galler Tagblatt eine Lokaredaktion und es gab eine Lokalausgabe mit Bedeutung bis nach Romanshorn. Z. B. liegen im Bahnhofsbuffet des Umsteigebahnhofs Romanshorn bisher etliche St. Galler Tagblatt-Augaben aus (Regionalausgabe), jedoch keine Thurgauer Zeitung.

Eine weitere Zeitug war bzw. ist bis Ende Jahr noch das «Tagblatt für den Kanton Thurgau» , das besonders im Oberthurgau verankert war. Sie wird mit der heutigen «Thurgauer Zeitung» zusammengelegt.

Die Meldung, daß es ab Januar 2011 nur noch eine Tageszeitung für den ganzen Kanton Thurgau geben wird, kam über Nacht und überraschte alle:

Die Tamedia verkauft die «Thurgauer Zeitung» an eine Tochtergesellschaft der NZZ Thurgauer Zeitung geht von Tamedia nun ans St. Galler Tagblatt der NZZ-GruppeMediengruppe, zu der das St. Galler Tagblatt gehört, mit dem man im Anschluß die Thurgauer Zeitung zusammenführen will.

Die Tamedia übernimmt die «Zürichsee-Zeitung» mitsamt deren NZZ-Beteiligung sowie die Beteiligung der NZZ am «Zürcher Oberländer» und dem «Zürcher Unterländer».

Tamedia -Präsident Pietro Supino erkennt im Zeitungstausch einen «gemeinsamen Beitrag zur Stärkung der Presselandschaft»

Die Huber &Co. AG, also Redaktion und Verlag der «Thurgauer Zeitung», beschäftigt gut 100 Angestellte in 84 Vollzeitstellen. Die neuen Besitzer sicherten einen Sozialplan zu, berichtet die Thurgauer Zeitung.

Auch der Regierungsrat äußert sich und ist jedoch äußerst skeptisch.

Insbesondere kritisiert er Tamedia, daß deren Geschäftsgebaren „im starken Gegensatz zu den vor fünf Jahren abgegebenen Zusagen steht“, als sie die Thurgauer Zeitung kaufte:

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau bedauert, daß mit der Integration der Thurgauer Zeitung in die Tagblatt Medien in St. Gallen eine der beiden Thurgauer Tageszeitungen verschwindet (Anm. d. Red.: offenbar zählt der Regierungsrat eine der drei Zeitungsausgaben nicht mit, sonst wäre von drei anstatt zwei bisherigen Zeitungen für den Thurgau die Rede). Er hofft aber, daß die künftige, einzige Thurgauer Tageszeitung weit möglichst selbständig bleiben kann.

Mit dem Verlust einer der beiden Tageszeitungen nimmt die Medienvielfalt im Thurgau weiter ab. Diese Entwicklung wertet der Regierungsrat als höchst unerfreulich. Ebenso wie den damit einhergehenden Arbeitsplatzabbau in einer noch nicht bekannten Größenordnung, der in erster Linie redaktionelle Arbeitplätze treffen wird.

Er erhofft sich jedoch, daß die neue Tageszeitung für den Thurgau, die ab dem Jahr 2011 erscheinen wird, eine starke und selbständige Zeitung sein wird, die den Interessen des Kantons und seiner Bevölkerung angemessen Rechnung tragen wird.

Gleichzeitig wünscht er sich, daß sich mit der neuen Besitzerin eine langfristige und stabile Situation ergeben wird.

Dies insbesondere nach der lediglich fünfjährigen Eigentümerschaft der TA-Media aus Zürich, mit der ein massiver Stellenabbau bei der Huber & Co AG vor allem im Druck- aber auch in weiteren Bereichen einhergegangen ist.

Von dieser negativen Entwicklung, die im starken Gegensatz zu den vor fünf Jahren abgegebenen Zusagen steht, ist der Regierungsrat enttäuscht, und er setzt nun seine Hoffnungen in die neue Ostschweizer Lösung.

Bezüglich der neuen Lösung wurde dem Regierungsrat zugesichert, daß Frauenfeld weiterhin ein starker Stützpunkt für die neue Zeitung bleiben wird. Diese Zusage begrüßt der Regierungsrat, auch wenn ihm gleichzeitig mitgeteilt worden ist, daß die Thurgau-Redaktion der neuen Zeitung organisatorisch der Zentralredaktion in St. Gallen angegliedert sein wird.

Der Mediendienst Kleinreport berichtet:

Was für den Chefredaktor und Verleger der «Thurgauer Zeitung», Peter Hartmeier, eine bittere Pille sein dürfte, freut den Chefredaktor des «St.Galler Tagblattes» um so mehr: «Für uns ist der Zusammenschluß in der Ostschweiz grossartig», freut sich Philipp Landmark am Donnerstagabend im Gespräch mit dem Klein Report. Hier handle es sich um eine wirklich signifikante Erweiterung seiner Zeitungs-Reichweite. «Damit erhält die Ostschweiz eine neue starke Stimme», so Landmark. Gegenüber dem Klein Report schränkt er allerdings ein, dass die absehbaren Stellenverluste die Freude auch dämpfen.

Peter Hartmeier zeigte sich wenig begeistert. Erst letztes Jahr stieß der ehemalige Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» als Verleger zur «Thurgauer Zeitung». Seit April diesen Jahres amtet er zudem als Chefredaktor. Am Donnerstag wurden Hartmeier nun aber die Flügel wieder gestutzt.

Die Thurgauer Zeitung selbst äußert sich wiefolgt zum Ablauf des Tauschgeschäfts:

Der Tauschhandel zwischen NZZ und Tamedia ist innert nur zehn Tagen zustande gekommen. Das sagte gestern Theodor Gut, Verwaltungsratspräsident und Verleger der Zürichsee Medien AG an einer kurzfristig einberufenen Medienorientierung. Diese hatte ein Bieterverfahren zum Verkauf der «Zürichsee-Zeitung» eingeleitet, da eine familieninterne Nachfolgeregelung nicht möglich war. An diesem Bieterverfahren in mehreren Runden beteiligten sich auch die Tamedia sowie die NZZ Mediengruppe. Diese verfügte aus einer früheren 40-Prozent-Beteiligung über ein Vorkaufsrecht an der «Zürichsee-Zeitung».