
… sagt das sehr viel mehr über sie selbst aus als über andere.
Man traut nicht, weil man dunkel fühlt, wie wenig einem selbst mehr zu trauen ist, schrieb Schopenauer dazu einmal.
Ich habe im Geschäfts- und im Privatleben gleichermaßen immer und immer wieder die Erfahrung gemacht, daß Leute, die extrem verschwiegen sind, die extrem un-offen sind, danach trachten, möglichst wenig von sich preiszugeben, immer auch Leute sind, die Motive haben, die zumeist nicht ehrbar und verschlagen sind.
Ale gutgläubiger und aufrichtiger Mensch denkt man zuerst immer an das Gute, also daran, daß es gute Gründe geben könnte, daß sich jemand mißtrauisch verhält. Von sich nichts preisgeben will, nicht einmal ordinäre Sachen wie Anschriften etc. oder daß jemand kaum von sich erzählt, daß ein Geschäftspartner gern zuhört aber nicht im Gegenzug auch ein wenig erzählt.
Daß ein Geschäftspartner Gründe habe, daß eine Frau Gründe habe für ihr Verhalten, nimmt man an als Mensch, der von sich selbst ausgeht. Aber jedesmal, als es so war, daß jemand verschweigt, verheimlicht, argwöhnt, mißtrauisch ist, ist es bisher nicht so gewesen, daß es gute Gründe gab.
Im Gegenteil bin ich heute der Ansicht, daß sogar jemand, der wirklich gute Gründe hat, zu schweigen, argwöhnen, zu mißtrauen und zu verheimlichen, recht rasch erkennt, wenn er einen Menschen vor sich hat, dem er vertrauen kann und sich dann öffnet.
Und daher das Verschweigen, Argwöhnen und Mißtrauen raschestmöglich beenden würde. Und dankbar wäre, einen vertrauenswürdigen Menschen gefunden zu haben und das Mißtrauen ablegen würde.
Alle anderen, die das nicht tun und noch so freundlich sind, haben fragwürdige, zumeist falsche oder im besten Fall im Charakter begründete Motive.
Wie heißt es so schön auch: Wer Dir schmeichelt, will Dich betrügen oder hat Dich schon betrogen. Das gilt für Geschäft wie Privates. Wobei besonders perfide und schlimm ist natürlich, wenn beides noch zusammenkommt. Auch das soll es geben bzw. gibt es.
Doch zurück zum Thema Mißtrauen und Argwohn als das Gegenteil des Guten, dem Vertrauen.
Das, was ich oben damit meine, warum es meistens mehr über den Menschen selbst aussagt, wenn er so extrem mißtrauisch ist als über andere, bringt Marie von Ebner-Eschenbach sehr gut auf den Punkt in folgendem Zitat:
Was andere uns zutrauen ist meist bezeichnender für sie als für uns.
Hier ein paar weitere schöne Zitate zum Thema Vertrauen bzw. dem Gegenteil dem Mißtrauen und Argwohn:
Mißtrauen richtet oft viel Schaden an, sofern ein Mensch Mißtrauen benutzt, um sich vor vermeintlichen / fiktiven / möglichen Gefahren zu schützen, die es gar nicht gibt:
Mißtrauen ist eine schlechte Rüstung, die mehr hindern als schirmen kann.
Lord George Gordon Noel Byron
Wer selbst mißtrauisch ist, verdient kein Vertrauen.
So ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe zum Mißtrauen. Stimmt es nicht?
Friedrich von Schiller verflucht Mißtrauen und Heimlichtuerei ebenfalls: „O, hättest du vom Menschen besser stets gedacht, du hättest besser auch gehandelt! Fluchwürd’ger Argwohn!“
Laß Argwohn, willst du nicht in Angst und Kummer schweben; denn Furcht und Argwohn sind ein steter Tod im Leben.
Zitat von Martin Opitz zum Mißtrauen
Mißtrauen ist ein Zeichen von Schwäche.
Mahatma Gandhi
Vorsicht im Vertrauen ist allerdings notwendig; aber noch notwendiger ist Vorsicht im Mißtrauen.
Joszef Freiherr von Eötvös
Auch Wilhelm Busch hat etwas dazu gesagt. Allerdings auf die ihm eigene humorvolle Art:
Wer durch des Argwohns Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut.
Von Laotse gibt es folgendes Zitat:
Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden.
Eine Volksweisheit aus Rußland sagt:
Mißtrauen ist eine Axt am Baume der Liebe
Was uns gewöhnlich hindert, unsere Freunde auf den Grund unseres Herzens blicken zu lassen, ist nicht so sehr Mißtrauen gegen sie als gegen uns.
François de la Rochefoucauld
Derselbe Mann sagte auch etwas anderes Schönes: „Avant que de désirer fortement une chose, il faut examiner quel est le bonheur de celui qui la possède.“ Ich würde hierzu gerne kommentieren, aber laß es im Moment einfach mal auf Französisch so stehen. Und füge hinzu ein weiteres Zitat des Mannes „On aime à deviner les autres ; mais l’on n’aime pas à être deviné“ und „Il est plus nécessaire d’étudier les hommes que les livres.“ In Maxime 119: „Nous sommes si accoutumés à nous déguiser aux autres qu’enfin nous nous déguisons à nous-mêmes.“)
Franz Grillparzer äußert zum Mißtrauen auch sich nicht gerade angetan:
„Pfui, Argwohn, Spürhund von des Teufels Meute!“
Sigmund Graff sagt: „Wer allen mißtraut, pflegt am wenigsten vor sich selbst auf der Hut zu sein.“ Und es stimmt:
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Manche Menschen verlieren vor lauter Mißtrauen Glück sowohl etwa in der Liebe als auch im Geschäft.
Denn wie soll ein Geschäftspartner einem vertrauen, wenn ihm kein Vertrauen entgegengebracht wird? Oder auf Liebe bezogen: Wie soll jemand einem anderen Menschen vertrauen, wenn ihm selbst ihm kein Vertrauen entgegengebracht wird?
Zuviel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, zuviel Mißtrauen ist immer ein Unglück.
Zitat von Johann Nestroy
Gut, wenn man sich möglicherweise Dummheit aus Gutmütigkeit, zuviel Offenheit zuschreiben muß ab und dann im Leben, aber nicht folgendes: immer Unglück.
Das Mißtraun ist die schwarze Sucht der Seele, und alles, auch das Schuldlosreine, zieht fürs kranke Aug‘ die Tracht der Hölle an.
Zitat von Ewald Christian von Kleist
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Und warum es so ist, daß mißtrauische Menschen so mißtrauisch sind und sich nicht vorstellen können, warum es möglicherweise auch Leute geben könnte, die von grundauf vertrauenswürdig sind, dazu sagt François de La Rochefoucauld in seinen Reflexionen in Maxime 337: „Il est de certaines bonnes qualités comme des sens : ceux qui en sont entièrement privés ne les peuvent apercevoir ni les comprendre.“ (Mit manchen guten Eigenschaften ist es wie mit den Sinnen. Wer sie nicht hat, kann sie weder wahrnehmen noch verstehen.)
„Manche Menschen wittern überall Betrug und wappnen sich immer gegen das Mißtrauen, das ihnen andere entgegenbringen. Sie halten sich für besonders klug, weil sie die Schliche der Menschen kennen. Aber dieser beständige Argwohn verträgt sich nicht mit einem großen Geist.
Konfuzius, Gespräche Lunyü“
Wer den Menschen vertraut, macht weniger Fehler als derjenige, der ihnen mißtraut.
Camillo Benso Graf von Cavour
(rm)