Als ob es nicht genug an Sprachsystemen auf der Welt gäbe, entwickelt das BfM ein eigenes Sprachlernsystem.

Wer zuerst die Medienmitteilung (unten) liest, denkt, es würde Sprachintegration gefördert.

Das einzige, was gefördert wurde, ist die Bürokratie.

Selbst nach intensiver Suche auf der Webseite des Systems „fide“ kann man keinen anderen Sinn finden.

Keine Neuerung, nichts.

Simonetta Sommaruga, SP: Schöne Schlagzeilen auf Steuerzahlerkosten und massive Steuergeldverschwendung (Foto: Webseite Sommaruga)
Simonetta Sommaruga, SP: Schöne Schlagzeilen auf Steuerzahlerkosten und massive Steuergeldverschwendung (Foto: Webseite Sommaruga)

Dageben klingt die Medienmeldung des BfM hochgeschwollen. Schon die Überschrift: „Bundesrätin Sommaruga setzt Qualitätsstandards für die sprachliche Integration von Migrantinnen und Migranten“ tönt nach einer massiven Neuerung.

Von Neuerung jedoch keine Spur. Einzig wurden Steuergelder der Bürger für ein angeblich neues Sprachlernsystem ausgegeben. Dabei gibt es abertausende Sprachlernsysteme. Davon auch anerkannte, von namhaften Firmen entwickelte.
Warum das BfM ein eigenes Sprachlernsystem entwickeln mußte, erschließt sich weder nach Lesen der Medienmitteilung noch nach intensivem Studium der Webseite von „fide“.

Wohl kein Wunder. Denn offensichtlich gibt es auch gar keinen Grund.

Das Bundesamt für Migration lanciert das Sprachlernsystem „fide“ für Migranten. „fide“ steht für „Französisch, Italienisch, Deutsch in der Schweiz – lernen, lehren, beurteilen“.

Dieses Lernsystem ist spezifisch auf die Bedürfnisse der Integration ausgerichtet. Personen lernen, wie sie sich unmittelbar in ihrem Lebensumfeld erfolgreich verständigen und zurechtfinden können.

Bundesrätin Sommaruga hat die 1. Nationale Konferenz zu fide in Bern eröffnet.

Sprachlernsystem"fide": Unnötig wie ein Kropf und teuer

„Sprache ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. Wer sich in der Heimat seiner Wahl erfolgreich bewegen will, muß sein Umfeld verstehen und sich mit ihm verständigen können,“ betonte Bundesrätin Sommaruga.

Also, nur, um das richtig zu verstehen: Sommaruga ist also der Ansicht, wenn ich in irgendein Land reise, muß nicht ich die Sprache lernen, sondern das Land muß sie mir beibringen und dafür zahlen.

Ja, so ist es (siehe unten).

Migration in die Sozialsysteme mit Anleitung

Ein Ziel des Unterfangens scheint zu sein, die Einwanderung in die Sozialsysteme möglichst einfach zu machen. So lernen Migranten gleich auch die nötigen Behördengänge bzw. werden geschult, ihre Rechte gut wahrnehmen zu können. Das Wort Sozialamt wird in diesem Zusammenhang in der BfM-Mitteilung geflissentlich vermieden. Es wird geflötet:

„fide“ vermittelt Sprachkompetenzen, welche Migrantinnen und Migranten in ihrem unmittelbaren Alltag brauchen. Gelernt werden konkrete Handlungen wie einen Arzt aufsuchen, an einem Elternabend teilnehmen oder einer Nachbarin begegnen. Damit fördert „fide „konsequent die Integration in der Schweiz. fide überprüft auch, welche sprachlichen Handlungen Personen können und weist diese in einem Kursattest aus.

Die Kosten für das ganz offensichtlich völlig überflüssige Programm werden in der Medienmitteilung auch verschwiegen. Wohl aus gutem Grund, denn sie dürften enorm sein. Weiter heißt es:

Das Sprachlernsystem wurde von Fachpersonen aus allen Landesteilen entwickelt und vom Institut für Mehrsprachigkeit in Freiburg koordiniert. fide beruht auf einer wissenschaftlichen Befragung von über dreihundert Zugewanderten sowie von Schweizer Fachpersonen aus allen Lebensbereichen.

Aufwendige Pilotprojekte auf Steuerzahlerkosten und zuungunsten der privaten Wirtschaft

"fide": Gibt es nicht genug Sprachlernsysteme?
"fide": Gibt es nicht genug Sprachlernsysteme?

Die Materialien sind 2011 in drei Kantonen (SO, AG, VD) pilotiert worden.

„fide“ berücksichtigt die besten Praktien (Denglisch „best practices“) von Sprachkursanbietern und orientiert sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER).

Wenn es schon Sprachprogramme mit sogenannt bester Praxis gibt, warum muß dann ein Bundesamt auf Steuerzahlerkosten ein eigenes entwickeln, was die Kantone dann ebenfalls erst noch neu „implementieren“ müssen (siehe unten).

Zur Begründung wird angeführt: „Es ist auf die in der Schweiz besondere Situation mit mehreren Landessprachen und Dialekten zugeschnitten. “

Ach? In der EU gibt es also keine Situation von mehreren Landessprachen und Dialekten? Lächerlicher hätten Erklärungsversuche für die unnötigen und der Höhe nach totgeschwiegenen Ausgaben wohl kaum sein können.

Wer nun glaubt, die Ausgaben wären damit zuende, sieht sich getäuscht:

Noch mehr „Mittelerhöhungen“

BfM-Direktor Mario Gattiker hob hervor, daß es in einer nächsten Phase nun darum gehe, gemeinsam mit den Kantonen und Kursanbietern die neuen Standards zu implementieren. Ab 2014 wollen Bund und Kantone die spezifische Integrationsförderung gemeinsam auf der Basis kantonaler Integrationsprogramme ausrichten und dazu die finanziellen Mittel erhöhen. Die Sprachförderung bildet ein zentrales Element der kantonalen Programme.

Was auch verwundert: Das Bundesamt für Migration ist doch gar nicht beim EJPD (Eidg. Justiz- und Polizeidepartment) angesiedelt. Warum also hat Sommaruga sich hier in Schale zu werfen versucht? Was hat sie überhaupt mit dem BfM zu tun? Gar nichts.

Und wer´s nicht glaubt, was oben von mir geschrieben steht, der lese die „häufigsten Fragen zu fide“