„Es ist kein Zufall, daß täglich tausende Migranten nach Europa angeliefert werden“, sagte der Ministerpräsident Ungarns auf einer Konferenz im italienischen Kulturinstitut in Budapest. „Man will die europäischen Nationalstaaten irrelevant machen.„

„Wenn wir uns nicht für Europa einsetzen“, appellierte Orban an seine Zuhörerschaft, „dann wird der Kontinent nicht mehr das Europa der hier lebenden Bürger sein, sondern die wirren Träume einiger großer Geldmänner, transnationaler Aktivisten und von niemandem gewählter Funktionäre verwirklichen.“

„Gegen diese Verschwörung, gegen diesen Verrat müssen wir uns an die Demokratie und ans Volk wenden“, sagte er weiter.

Davor hatte Orban in einer Ansprache am Vormittag Spekulanten und neuerdings auch als umstrittenen Philanthropen in Erscheinung tretenden US-Milliardär George Soros für die Flüchtlingsströme mitverantwortlich gemacht: „Diese Invasion (von Migranten) wird einerseits vom Schlepper-Geschäft gelenkt, andererseits von jenen (Menschenrechts-)Aktivisten, die alles unterstützen, was die Nationalstaaten schwächt.“ Hinter den Menschenrechtlern stünde wiederum Soros.

Soros „Offene Gesellschaft“-Stiftung bzw. globalesisch „Open Society Foundation“ (OSF) unterstützt von Budapest aus auch Aktivisten,.

Ungarn war bis Mitte des Monats eines der Transitländer für die Flüchtlinge auf der Balkanstrecke. Seitdem auf Weisung Orbáns Zäune an den Grenzen zu Serbien und Kroatien stehen, ziehen die Migranten an Ungarn vorbei. Die OSF hatte der Budapester Regierung für die Schließung der Grenzen für Flüchtlinge mehrfach kritisiert.

Der von Angela Merkel nach ihrer Einladung zur Einreise gewünschten Verteilung von Migranten auf alle EU-Staaten erteilte er eine Absage und warnte er vor einer „Demokratiekrise“ in Europa. „Wer hat die europäischen Regierungschefs, oder einige von ihnen, für diese Art von Politik legitimiert? Dies ist ein demokratischer Kontinent“, kritisierte Orbán. „Wer hat dafür gestimmt, Millionen von Menschen illegal einreisen zu lassen und sie über die EU-Staaten zu verteilen?“

Orban kritisiert Vertragsbrüche: Schengen-Verträge müssen wieder eingehalten werden

Orbán erklärte zudem in Brüssel auf einem von Juncker einberufenen Notgipfel, der wich­tigste Grund für die Flüchtlingskrise liege darin, daß einzelne Staaten der Europäischen Union und des Schen­gen-Raums nicht in der Lage oder schlichtweg nicht bereit seien, ihr Wort zu halten. Der Premier drückte seine Hoffnung aus, dass der „Politik der offenen Grenzen, die dem Schen­gen-Vertrag völlig widerspricht“ ein Ende bereitet werde. Er wies ferner darauf hin, er habe in der Vergangen­heit mehrfach vorgeschlagen, dßs die Staaten der Europäischen Union gemeinsam die Grenzen sichern müß­ten, sofern Griechenland dazu nicht imstande sei, allerdings „hat niemand auf uns gehört“.