Ich will die Welt ja nur beschreiben, so schreibt der brilliante Schreiber Henryk M. Broder aktuell in der Welt. Und schreibt, ein anderer, wolle sie im Gegensatz zum, dem Beschreiber, verändern.
Ob Broder – laut Wikipedia zu den “führenden Meinungsmachern in Deutschland gehörend” selbst glaubt, was er dort schreibt? Ein führender Meinungsmacher, der Welt also nicht verändern, sondern bloß beschreiben will? Hm. Jemand, der sich so vehement für aktive Diskussionen und Debatten einsetzt, daß mancher Politiker völlig alt gegen ihn aussieht, schreibt, wenn er die Welt verändern wolle, wäre er Politiker geworden. Hm.

Will die Welt nicht verändern, nur beschreiben. Schreibt Henryk M. Broder. (Bild: Henryk-Broder.com)
Ich jedenfalls glaube nicht, daß Broder die Welt “nur beschreiben” möchte und hoffe auch nicht, daß dem so ist.
Hier der Wortlaut der Passage (kursiv, um Rechtschreibfehler bereinigt (rot markiert)):
Ingo Schulze und ich haben zweierlei gemeinsam. Erstens kommen wir beide aus dem Osten, ich allerdings noch viel mehr als er. Zweitens lieben wir beide die Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, vor allem die Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern.
Doch damit hören die Gemeinsamkeiten im Grunde auch schon auf. Ingo Schulze ist ein Schriftsteller, ich bin ein Gebrauchsschreiber. Schulze will die Welt verändern. Das zeigt nicht zuletzt sein neuestes Buch. Es trägt den Titel “Unsere neuen Kleider” und plädiert für “demokratiekonforme Märkte”, was immer man sich darunter vorstellen soll. Ich will die Welt ja nur beschreiben. Wenn ich die Welt verändern wollte, wäre ich Politiker geworden. Oder Gruppentherapeut. Schulze leidet an der Welt, ich leide, wenn ich an einem “Victoria’s Secret”-Laden vorbeigehe.
Hier der ganze – mal abgesehen von der in meinen Augen unglaubwürdigen Einleitung – sehr lesenswerte Artikel in der Welt.
Und hier noch zwei Schweiz-Blog-Einträge zu dem – von mir ebenfalls sehr geschätzten – Hans-Christian Andersen.
Ein Deppenleerzeichen (siehe Original-Beitrag im “Qualitätsmedium” Welt, sofern es dort nicht korrigiert wird) hätte ich Broder übrigens gar nicht zugetraut. Jemand, der so in der Sprache bewandert ist. Selbst an solchen Leuten geht Denglisch offenbar nicht vorbei.



