Ende Februar veröffentlichte der Tagi einen Bericht über die Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz. Und gab die Zahlen von 2011 wieder. Wir erfahren nicht nur, daß es über 3 % Zuwanderung gegeben hat, sondern auch:
“Mit über 10’000 ist die Zahl der in der Schweiz wohnhaften Serbinnen und Serben stark zurückgegangen.”
Dieser Satz bleibt unerläutert und unkommentiert so stehen. Nun könnte man denken bzw. jeder, der das liest, muß denken: Da lieben viele Leute ihre Heimat und kehren zurück. So schön ist es also in der Schweiz auch nicht.
Wer sich beim Bundesamt für Statistik erkundigt, worauf dieser “Exodus an Serben” bzw. der vermeintliche Exodus von Serben aus der Schweiz zurückzuführen ist, wird aufgeklärt.
Weil mit dem Kosovo ein neuer Staat entstanden ist und daher viele, die vormals die serbische Staatsangehörigkeit hatten, nun diese abgegeben haben, würde die Zahl massiv sinken. Das heißt aber natürlich nicht, daß all diese Leute nun ausgewandert sind.
Dies wurde auch in den Erläuterungen extra bekanntgegeben. Im Tagi auch? Nein, da sucht man solch völlig unwesentliche Erläuterungen völlig vergebens.
So, wie es der Tagi darstellt, indem er diese – wahre – Zahl unkommentiert wiedergibt, ist es also blanker Unsinn. Eigentlich ist die Zahl unkommentiert eine glatte Lüge, auch, wenn die Zahl selbst wahr ist. Weil der Zusammenhang nicht erklärt wird, warum die Zahl an Serben “stark zurückgegangen” ist.
Insofern ist natürlich in dem Zusammenhang auch dem eine “Zunahme der in der Schweiz wohnhaften Kosovaren zu sehen, die im Gegenzug massiv gestiegen ist.
Was aber natürlich nicht bedeutet, daß gerade eine neue Einwanderungswelle aus dem Kosovo in die Schweiz stattfindet. Genausowenig wie eine Auswanderungswelle nach Serbien aus der Schweiz heraus stattfindet.
Insofern ist das natürlich – zurückhaltend formuliert – journalistischer Schwachsinn, etwas so darzustellen bzw. die Tatsache, warum es so eine massive Veränderung gibt, zu verschweigen.
Wenn es vom Tagi Absicht ist, ist es schlimm in Anbetracht dessen, daß sie der Tagesanzeiger gern als Qualitätsmedium sehen will und von vielen leider auch so gesehen wird. Wenn es keine Absicht ist, ist es ebenso schlimm, denn schlampiger kann Journalismus ja wohl kaum sein.
Und Pietro Supino, Chef des Medienkonzerns, redet von Qualitätsjournalismus…






