Daily Archives: Juli 29, 2012

Laßt endlich den Franken vom Euro frei!

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Niemand anders als der frühere UBS-Chef Oswald Grübel schreibt in seiner Kolumne in der Zeitung «Der Sonntag», es sei «nur eine Frage der Zeit und der Entwicklung der Eurokrise», daß die “Strategie” des Mindestkurses aufgegeben werden müsse, welchen der ehemalige und inzwischen als Krimineller (Verstoß gegen Insiderstrafnorm durch illegale Aktiengeschäfte) entlarvte und zurückgetretene ehemalige SNB-Chef Philipp Hildebrand beschloß. Besonders pervers: Die Schweizer Bevölkerung stimmte ab, nicht am Euro-Experiment teilzunehmen. Jetzt kauft die SNB täglich Euros, wenn man den erschreckenden Zahlen zu den Eurokäufen der SNB glauben darf. Die Schweiz wird zum Eurohorter und ist beim Euro-Experiment mittendrin. Das ist falsch.

Der Zürcher Finanzprofessor Martin Janßen stimmt Grübel zu: «Die Festlegung des Mindestkurses von 1.20 war in Erwartung eines wieder stärker werdenden Euros vertretbar. Aber jetzt wird der Euro und damit der Franken gegenüber allen

Was Philipp Hildebrand mit der Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro der Schweiz eingebrockt hat, ist noch gar nicht absehbar (Bildschirmfotoausriß: Der Sonntag)

Was Philipp Hildebrand mit der Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro der Schweiz eingebrockt hat, ist noch gar nicht absehbar (Bildschirmfotoausriß: Der Sonntag)

anderen Währungen laufend schwächer – obwohl die Marktkräfte zu einem deutlich stärkeren Franken drängen», so Janßen zum «Sonntag». Halte die SNB den Kurs lange künstlich bei 1.20, drohe in zwei oder drei Jahren ein umso schlimmerer Absturz auf 90 Rappen. Janßen fordert eine Ausstiegsstrategie.

SVP-Stratege Christoph Blocher sagt: «Die SNB muß sich bewußt sein, daß der Mindestkurs von 1.20 langfristig nicht durchsetzbar ist. Irgendwann muß wieder der freie Markt den Devisenkurs bestimmen können.»

Und zudem ist der Mindestkurs unnötig. Die Schweizer Wirtschaft – inklusive der Exportwirtschaft – blüht. Selbst ein bißchen Eindämmung im Export würde überhaupt nicht schaden. Dafür kann man vieles im Gegenzug viel billiger importieren. Schweizer Produkte werden auch bei einem teureren Franken weltweit gefragt bleiben. Nicht zuletzt aufgrund der Qualität und des Schweizer Erfindungsreichtums.

Oswald Grübel:

Wenn eine relativ kleine, gesunde Volkswirtschaft mit geringer Staatsverschuldung, wie die Schweiz, ihre Währung an einen vielfach größeren Wirtschaftsverbund mit einer künstlichen Transferwährung und hohen Staatsverschuldungen koppelt, übernimmt sie auch die entsprechenden Risiken.

Mit anderen Worten, der Schweizer Franken ist zurzeit ein Euro. Die volkswirtschaftliche Basis des Frankens ist grundlegend besser als die des Euros und wird sich selbst durch den fixen Wechselkurs nicht so schnell verschlechtern. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit und der Entwicklung der Eurokrise, dass diese Strategie aufgegeben werden muß.

Eines wissen wir ganz bestimmt, je länger wir daran festhalten, umso höher wird der Preis, den wir alle dafür bezahlen.

Mehr zum CHF auf: Schweizer-Franken.ch

Henryk M. Broder: “Ich will die Welt ja nur beschreiben” (nicht verändern)

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Ich will die Welt ja nur beschreiben, so schreibt der brilliante Schreiber Henryk M. Broder aktuell in der Welt. Und schreibt, ein anderer, wolle sie im Gegensatz zum, dem Beschreiber, verändern.

Ob Broder – laut Wikipedia zu den “führenden Meinungsmachern in Deutschland gehörend” selbst glaubt, was er dort schreibt? Ein führender Meinungsmacher, der Welt also nicht verändern, sondern bloß beschreiben will? Hm. Jemand, der sich so vehement für aktive Diskussionen und Debatten einsetzt, daß mancher Politiker völlig alt gegen ihn aussieht, schreibt, wenn er die Welt verändern wolle, wäre er Politiker geworden. Hm.

Will die Welt nicht verändern, nur beschreiben. Schreibt Henryk M. Broder. (Bild: Henryk-Broder.com)

Will die Welt nicht verändern, nur beschreiben. Schreibt Henryk M. Broder. (Bild: Henryk-Broder.com)

Ich jedenfalls glaube nicht, daß Broder die Welt “nur beschreiben” möchte und hoffe auch nicht, daß dem so ist.

Hier der Wortlaut der Passage (kursiv, um Rechtschreibfehler bereinigt (rot markiert)):

Ingo Schulze und ich haben zweierlei gemeinsam. Erstens kommen wir beide aus dem Osten, ich allerdings noch viel mehr als er. Zweitens lieben wir beide die Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, vor allem die Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern.

Doch damit hören die Gemeinsamkeiten im Grunde auch schon auf. Ingo Schulze ist ein Schriftsteller, ich bin ein Gebrauchsschreiber. Schulze will die Welt verändern. Das zeigt nicht zuletzt sein neuestes Buch. Es trägt den Titel “Unsere neuen Kleider” und plädiert für “demokratiekonforme Märkte”, was immer man sich darunter vorstellen soll. Ich will die Welt ja nur beschreiben. Wenn ich die Welt verändern wollte, wäre ich Politiker geworden. Oder Gruppentherapeut. Schulze leidet an der Welt, ich leide, wenn ich an einem “Victoria’s Secret”-Laden vorbeigehe.

Hier der ganze – mal abgesehen von der in meinen Augen unglaubwürdigen Einleitung – sehr lesenswerte Artikel in der Welt.

Und hier noch zwei Schweiz-Blog-Einträge zu dem – von mir ebenfalls sehr geschätzten – Hans-Christian Andersen.

Ein Deppenleerzeichen (siehe Original-Beitrag im “Qualitätsmedium” Welt, sofern es dort nicht korrigiert wird) hätte ich Broder übrigens gar nicht zugetraut. Jemand, der so in der Sprache bewandert ist. Selbst an solchen Leuten geht Denglisch offenbar nicht vorbei.

http://spottlight.ch/?page_id=98