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Monthly Archives:Mai 2008

Die böse junge Frau

Admin24 post on Mai 28th, 2008
Posted in Allgemeines

Es war einmal ein junger Mann, der in einem Zug saß und sich gerade über eine Fehlfunktion an seinem „Läpptopp“ ärgerte, welches sich laufend festfraß.

So mußte er immer wieder warten, bis er weiterarbeiten konnte und schaute währenddessen immer wieder einige Sekunden vom Bildschirm weg ins Zugabteil.

Nachdem dies einige Zeit ging, bemerkte er schließlich, daß ihn genau am anderen Ende der Abteilmitte eine junge Frau anzulächeln schien, war sich aber nicht sicher, ob er sich nicht täusche.

Ihm war aufgrund des Ärgers mit dem Läpptopp zudem auch gar nicht zum Lächeln zumute, aber dennoch ergab sich beim Aussteigen zufällig ein Gespräch.

Um es abzukürzen: Aus diesem Gespräch folgte ein weiteres Gespräch und noch ein weiteres Gespräch und der junge Mann faßte rasch Vertrauen. Und schließlich ergab sich am dritten Tag eine Beziehung, welche nun in einem kalten Januarmonat begann.

Der junge Mann sah hierbei nicht, daß die junge Frau, die er kennengelernt hatte, sich mit Lügen umgab.
Angefangen vom Lügen mit dem Alter oder auch eine Lüge von einem generalstabmäßig geplanten, angeblich zufälligen Zusammentreffen mit der Mutter am Tag des Abends, bevor sie wirklich zusammenkamen. Und auch weitere Lügen folgten in der kurzen Beziehung ständig.

Doch wie sagt man so schön: Liebe macht blind.

Nun begab es sich, daß die junge Frau ohne eine Erklärung von einem Tag auf den anderen sich rar machte und jeglichen Kontakt ablehnte. Sie beendete aber auch nicht die Beziehung.

Vergeblich bat der junge Mann in SMS oder Mails um Klarheit.

Immer wieder begegneten sie sich zudem auch in der Öffentlichkeit, doch sie wich ihm unter Lügen bzw. Ausflüchten aus. Und der junge Mann war auch niemand, der eine Aussprache auf offener Straße erzwingen würde oder einfach vor ihrer Tür stehen würde oder jemand nachstellen würde.

Und so schrieb er noch einige elektronische Briefe, sie möchte doch bitte Klarheit schaffen. Doch ohne jegliche Antwort. Auch aber wurde die Beziehung nicht beendet, was für den jungen Mann ein unerträglicher Schwebezustand war.

Schließlich begab es sich, nachdem inzwischen Fasnacht begonnen hatte, daß sie sich am ersten Fasnachtstag mehrfach begegneten und der junge Mann ganz traurig wurde, weil sie ihm abermals auswich und sich zudem abstoßend benahm. Sie hatte überdies noch eine ihrer Schwestern dabei, die sich ganz offensichtlich bewußt boshaft benahm.

Nachdem sie sich das zweite mal an diesem besagten Tag begegneten – in einem Kaufhaus stand die junge Frau mit der besagten Schwester „zufälligerweise“ genau auf diesem Weg an einer Stelle des bald beginnenden Fasnachtsumzugs, wo er noch zum Büro, das beim Rathaus in der Altstadt lag, vorbeigehen mußte.

Später erst wurde ihm gewahr, wie beide Schwestern sich an seiner Traurigkeit offenbar regelrecht ergötzten. (gemaltes BILD: Die zwei Schwestern zu Fasnacht am Postbrunnen)

Er wußte zwar, daß er über die schlechten Charaktereigenschaften hinsichtlich der Lügerei hinweggesehen hatte. Wie das nun einmal ist, wenn man sich verliebt hat.

An diesem Tag aber wurde ihm klar, daß der schlechte Charakter noch wesentlich schlechter war, als er bislang denken konnte.

Zu der laufenden Lügerei kam nun Spaß am Leid dazu. Denn es bereitete der jungen Frau offenbar sichtlich Spaß, einen anderen Menschen ihretwegen leiden zu sehen. Und auch ihre jüngere Schwester, charakterlich ähnlich gelagert, fand dies sichtbarerweise sehr lustig.

Letzteres überraschte ihn kaum. Er hatte zwei ihrer drei Schwestern einmal kennengelernt. Eine oberflächlicher als die andere und nur auf ihr Äußeres bedacht.

Auch von der jungen Frau wußte er, daß sie oberflächlich war und der äußere Schein ihr das Allerwichtigste. Aber daß die Liebe von ihm, welche stehts äußerst hochmoralisch gehaltene Reden geschwungen hatte, derart gelagert ist, enttäuschte ihn doch.

Weiter suchte er auch die nächste Zeit, zu einer abschließenden Aussprache zu gelangen, weil immer noch die Beziehung offiziell ja nicht einmal beendet worden war.

Nun kam es wieder zu verschiedenen zufälligen Begegnungen, etwa im Zug nach St. Gallen oder zurück oder am Bahnhof, doch die junge Frau wich aus und hatte angeblich gar keine Zeit grade. Und einmal etwa grüßte sie nicht einmal mehr im Zug, unterhielt sich dafür hingegen mit ihrer strahlenden äußeren Fassade angeregt mit einem älteren Herrn, von dem sie sich erklären ließ, wie man eine neue Kamera bedient, welche sie bei sich hatte.

All dies ließ den jungen Mann schließlich doch zur Einsicht kommen, daß es sich bei diesen Begebenheiten nicht bloß um Begebenheiten, sondern um offensichtliche Bösartigkeiten bzw. Genuß am Bösartigen handelte.

Angetan also von diesen Begebenheiten beendete der junge Mann die Beziehung gezwungenermaßen per Email.

Dies auch, weil sich bei ihm eine neue Beziehung anzubahnen schien und er nicht in die Lage kommen wollte, diese vor dem Hintergrund einer schwebenden bzw. nicht offiziell beendeten Beziehung zu beginnen.

Nun ward Ruhe und monatelang sah er die junge Frau nicht mehr.

Bis zu einem Tag, da er ihr – nachdem er in einem Baumarkt etwas für den Garten eingekauft hatte – in einem Bus begegnete.

Plötzlich frug sie ihn, wie er es denn hätte und wie es ihm ginge. Sichtlich irritiert, daß die junge Frau nun plötzlich mit ihm sprach, nachdem sie ja zuvor das Gespräch bzw. eine Aussprache immer abgelehnt hatte, antwortete er halt, daß er es schon gut hätte.

Und da hatte sie wieder dieses zutiefst Bösartige im Gesicht, er sah die Freude, die sie daran hatte, daß er irritiert war, daß sie ihn nun plötzlich ansprach.

Aber er dachte später dennoch, vielleicht täusche er sich und es täte ihr ihr Verhalten doch leid und sie habe ihn angesprochen, weil sie vielleicht nun doch eine Aussprache wolle. Und er schrieb ihr daher eine Nachricht, ob sie nicht der Meinung sei, daß nach so langer Zeit es überfällig wäre, einmal eine saubere Aussprache über die vergangene Beziehung zu führen.

Sie antwortete, sie wüsse nicht, was sie zu besprechen hätten.

Nun ward für ihn der Punkt erreicht, da er etwas tun sollte, vor dem er die ganze Zeit zurückgeschreckt war. Schon die Monate zuvor nämlich hatte er immer wieder an etwas denken müssen. Immer wieder daran gedacht oder davon geträumt.

Der junge Mann war schon als Kind ein leidenschaftlicher Büchersammler. Er ging auf Flohmärkte, besuchte Antiquariate und trug so über die Jahre eine Sammlung antiker Bücher zusammen, die so groß geworden war, daß er schon mit 19 Jahren einen gesonderten Raum nur mit (alten) Büchern alter Schriften besaß.

Er war seitdem mehrfach umgezogen und einige Bücher waren bei einer Spedition an der Landesgrenze über viele Jahre eingelagert. Nun hatte inzwischen er ein Haus in einem anderen Land gekauft und einige dieser Bücher waren immer noch in Lagerkisten, weil er das Haus gerade Raum für Raum renovierte und die Bücher nicht alle ausgepackt hatte.

Nun war ein Buch darunter, an das er über zwei dutzend Jahre nicht mehr gedacht hatte. Als er noch in einem anderen Land bei einem Wertpapierhändler gearbeitet hatte, nachdem er bei einer Firma im selben Bereich ein Praktikum gemacht hatte, ging er in der Mittagspause häufig zu einem alten Mann, welcher ein Antiquariat betrieb und ihn mochte.

Er kaufte über die Zeit zahlreiche Bücher bei dem Mann, oft mit seinem letzten verfügbaren Geld. Und der alte Mann unterhielt sich gerne mit ihm, weil es, wie er sagte, nur wenige Leute gäbe, die wie der junge Mann so breite Interessen hätten.

Zudem konnte der junge Mann Latein und Altgriechisch und gehörte zu den wenigen Leuten, welche die alte deutsche Schrift lesen konnten.

Und darüberhinaus auch die deutsche Sütterlinschrift nicht nur lesen, sondern sogar schreiben konnte. Dies hatte er sich selbst beigebracht aufgrund seines großen Interesses an alten Büchern.

Alles das ergab viel Gesprächsstoff mit dem alten Mann.

Eines Tages stieß er auf ein interessant aussehendes Buch, welches ihm der alte Mann, der ihm immer Bücher verkauft hatte, nicht verkaufen wollte. Im Gegenteil, er warnte vor dem Buch.

Gerade das aber reizte den jungen Mann und er bekam es schließlich doch. Als er es nach der Mittagspause auf seinem Schreibtisch legte, sah sein Chef dieses alte Buch. Dieser regte sich unheimlich auf und frug, ob er wisse, was das für ein Buch sei und ob er sicher sei, daß er darin lesen wolle. Trotzig gab der junge Mann zur Antwort, daß er sicher darin lesen wolle. Der Chef frug ihn daraufhin, ob er eine Bibel zuhause habe. Denn die würde er brauchen, falls er vorhabe, das Buch zu lesen. Und er regte sich furchtbar auf.

Er schickte den jungen Mann mit den Worten nach hause, er habe heute nachmittag frei, denn er wolle so ein Buch bei sich nicht in der Firma haben. Er solle gehen und unbedingt das Buch mitnehmen. Solch ein Buch möchte er in der Firma nicht haben.

Der junge Mann hatte das Buch seit dieser Begebenheit nie mehr angerührt. Ein paar Tage dachte er noch über die Sache nach, schob das Lesen aber auf. Denn daß der Chef sich so furchtbar aufgeregt hatte und außer sich geriet, hatte ihm doch irgendwie Angst gemacht.
Schließlich vergaß er das Buch und er war auch nicht mehr bei der Firma tätig, gründete selbst seine erste Firma und mußte daher aus beruflichen Gründen zügeln. Seitdem war das Buch bei einer Firma, die Lagerraum vermietete mit seinen vielen anderen alten Büchern eingelagert.

Nach dem eigenartigen und sich immer mehr als einfach nur bösartig herausstellenden Verhalten der jungen Frau mußte er jetzt plötzlich immer und immer wieder an dieses Buch denken. Denn das in alter deutscher Schrift und zum in Latein und Altgriechisch sowie auch Hebräisch gehaltene verbotene Buch sollte unter anderem Flüche enthalten.

Immer wieder haderte der junge Mann mit sich selbst, nahm aber das Buch nicht hervor. Er wollte sogar einen alten Treuhänder fragen, ob er ihm Kontakt zu einem Pfarrer vermitteln könne.

Doch dann dachte er angewidert an die Scheinheiligen in der heutigen Kirche und es kam nicht dazu.

Schließlich suchte er nach dem Titel des Buches im Internet und stieß abermals in Foren und auf anderen Seiten nur auf eindringliche Warnungen, man solle dieses Buch auf keinen Fall lesen.

Nach dem letzten Verhalten der jungen Frau nun aber, hatte er keine Hemmungen mehr, das, was im Internet über dieses alte Buch stand, sich selbst anzusehen und zu verwenden.

Und so kam es, daß in einer dunklen Nacht bei Kerzenschein zwei Flüche gegen die böse junge Frau gerichtet wurden.

Einer betraf ihr Äußeres, ihre extreme Eitelkeit. Der andere ihr Inneres, ihre bösartige Seele.

Der junge Mann hatte diese Tat, die wohl die böseste war, die er je getan hatte, über viele Monate aufgeschoben. Immer wieder. Weil er es nicht in Wut tun wollte. Und weil er Angst hatte, daß er es bereuen würde. Doch er bereute es keineswegs.

Und wir leben ja heute in einer aufgeklärten Zeit, in der man an die Wirkung von Flüchen, die wegen Bösartigkeit ausgesprochen werden, nicht fürchten muß.

Und so muß sich die böse junge Frau wohl trotz ihrer Freude am Bösen und den gegen sie ausgesprochenen Flüchen sich keine Gedanken machen.

Oder doch?

Und wenn sie nicht gestorben ist, so schminkt sie sich noch heute.